Uninteressanter als gedacht: Fast die Hälfte der Twitter-User ist nicht aktiv

Während in der Türkei Twitter-Vertreter und Regierungsbeamte eine gemeinsame Basis suchen, offenbart ein neuer Report, dass der Microblogging-Dienst wohl nur halb so attraktiv ist, wie bislang angenommen. Denn: Ganze 44 Prozent aller registrierten Nutzer haben bislang nicht einen einzigen Tweet verschickt. Der meiste Content wird von einigen wenigen erzeugt.

Die Analyse-Firma Twopcharts hat den Microblogging-Dienst Twitter unter die Lupe genommen und Erstaunliches über eines der führenden Sozialen Medien herausgefunden. Derzeit gibt es 974 Millionen Twitter-Konten. Aber: Die meisten dieser Nutzer sind inaktiv.

Im letzten Quartal 2013 konnte Twitter gerade einmal 241 Millionen aktive Nutzer verzeichnen. Gemeint sind damit all jene Personen, die zumindest einmal im Monat angemeldet waren. Einen Tweet verschickt haben müssen sie per Definition aber nicht. Das sind weniger als 25 Prozent der Gesamt-Nutzer-Zahl. 30 Prozent der bestehenden Twitter-Konto haben einen bis zehn Tweets gesendet. Nur 13 Prozent der Konten haben mindestens 100 Tweets geschrieben, so das Wall Street Journal.

Ein Umstand, der darauf hindeute, dass Twitter eine Abwanderungsproblem habe, so das Nachrichtenportal CBSnews. Ein weiterer Hinweis, der für diese Theorie spricht: Twopcharts schätzt, dass 542,1 Millionen Konten mindestens einmal einen Tweet verschickt haben, aber nur 23 Prozent in den letzten 30 Tagen getwittert hätten.

Twitter-User schätzen eher Information, denn Kommunikation

Zu Gute halten muss man dem 140-Zeichen-Service jedoch: Twitter ist anders als Facebook. Viele Anwender schätzen den Dienst, um über ihn Informationen zu beziehen, nicht der Kommunikation wegen. Dennoch ist es ein Problem, wenn sich nur eine Minderheit öfter als einmal im Monat zu Wort meldet. Zum Vergleich: Facebook hatte zum Ende des Jahres 2013 nach eigenen Angaben 1,23 Milliarden monatlich aktive Nutzer. Aktiv sein bedeutet im Zuckerberg-Imperium viel – und sei es nur ein vergebener Like. Darin besteht ein weiterer, signifikanter Unterschied zu Twitter.

Die Antwort darauf, ob Twitter wirklich ein breites Medium oder ein Nischenangebot darstellt, ist daher wohl am ehesten in seiner Aktienbewertung zu finden. Einen Hinweis lieferte die Entwicklung Ende vergangenen Jahres. Kostete eine Aktie im November noch 26 Dollar, kletterte ihr Wert nur einen Monat später auf satte 75 Dollar nach oben. Lange angehalten hat der Höhenflug zwar nicht. Am Montag eröffnete Twitter aber wieder bei knapp über 40 Dollar pro Aktie und bleibt offenbar stabil.

Twitter stimmt Sperrung einiger Konten zu

Unterdessen ist in Ankara der zweite Tag der Gespräche zwischen der Twitter-Delegation und Regierungsvertretern zu Ende gegangen. Diesmal fand ein Treffen mit Präsident Abdullah Gül statt. Bereits nach der ersten Begegnung am Montag war klar, dass beide Parteien daran interessiert sind, eine gemeinsame Basis zu finden. Mittlerweile hat das US-Unternehmen auch zugestimmt, einige von der Regierung ins Visier genommene Konten zu schließen. Die Eröffnung eines Büros in der Türkei wird nicht kategorisch ausgeschlossen. Des Weiteren sollen Mechanismen eingeführt werden, unter denen Twitter türkischen Gerichtsurteilen gemäß Konten prüfen werde. Doch eine konkrete Einigung in der Steuerfrage konnte bisher nicht erzielt werden. Endgültige Entscheidungen in allen Streitfragen werden nach dem zweiten Treffen zwischen Twitter und der AKP-Regierung gefällt werden, berichtet die Zeitung Posta.

Inwieweit die türkische Regierung auf das Unternehmen zugeht, wird sich jedoch zeigen. Auf einer Pressekonferenz stellte Finanzminister Mehmet Simsek an diesem Dienstag noch einmal heraus, dass alle Social-Media-Unternehmen, die in der Türkei operierten auch Repräsentanzen im Land eröffnen müssten.

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