Europäische Gasversorgung: South Stream Pipeline könnte durch die Türkei laufen

Falls Moskau einen solchen Antrag stellt, soll Ankara durchaus gewillt sein, die South-Stream-Pipeline, die Erdgas von Russland nach Europa transportiert, durch türkisches Territorium laufen zu lassen. Das signalisierte der türkische Energieminister Taner Yıldız an diesem Mittwoch.

Die South Stream Pipeline ist eines von mehreren Themen, die die Türkei und Russland in der kommenden Woche bei einem Treffen in Ankara anschneiden wollen. Die Zukunft der 2400 Kilometer langen South-Stream-Leitung von Russland über das Schwarze Meer nach Europa war zuletzt durch die Krim-Krise stark ins Wanken geraten und stand bereits kurz vor dem Aus.

„Wir sind offen für eine Prüfung von Anträgen für eine Führung der Pipeline durch das Territorium der Türkei“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet nun den türkischen Energieminister Taner Yıldız kurz vor den Gesprächen mit dem stellvertretenden Gazprom-Leiter Alexander Medwedew am 21. April. „Es wird gesagt, dass es eine solche Bitte geben könnte. Falls es eine Anfrage dieser Art gibt, dann werden wir sie überprüfen.“ Bereits 2011 gab die Türkei ihre Zustimmung zum Bau der Pipeline durch das Schwarze Meer. Als Gegenleistung sicherte Russland dem Land damals langfristige Gaslieferungen bis 2025 zu.

South Stream-Verlauf über Thrakien statt Bulgarien

South Stream soll bis zum Ende des Jahrzehnts Gas nach Bulgarien und von dort aus weiter in die Europäische Union pumpen. Zur Debatte steht derzeit offenbar die Pipeline über die Region Thrakien im Nordwesten der Türkei statt über Bulgarien laufen zu lassen, um so die Route aus Russland direkt in ein EU-Land zu vermeiden. Außerdem könnte Russland so auch die Marmara-Region bedienen, die derzeit den höchsten Verbrauch innerhalb der Türkei aufweist. Ebenso könnte bald der Bau einer zweiten Blue-Stream-Pipeline zur Diskussion stehen, die eine bereits existierende Verbindung von Russland in die Türkei unter dem Schwarzen Meer ergänzen soll.

Die europäischen Unternehmen, die an dem Projekt beteiligt sind, bekundeten zuletzt Zweifel an der Umsetzung. Gazproms italienischer Partner Eni hatte das gesamte Projekt aufgrund der Krise in der Ukraine infrage gestellt. Die EU-Kommission zog ihre Unterstützung für das Projekt ebenfalls zurück. Hier setzt man mittlerweile alles daran, sich aus der russischen Gas-Abhängigkeit zu befreien und der Ukraine zu helfen. Doch trotz der Krise in den Ost-West-Beziehungen erklärte das zuständige Konsortium, dass noch diesen Herbst die Verlegung durch das Schwarze Meer beginnen solle. Die Leitung soll über Osteuropa nach Italien und dann nach Österreich laufen und Westeuropa mit russischem Gas versorgen. Neben Gazprom und Eni sind auch die französische EDF und die BASF-Tochter Wintershall in Deutschland involviert.

Energieexperten betrachten die Krim-Krise derzeit auch als ein Risiko für die Türkei. 12,5 Prozent der türkischen Gaslieferungen fließen durch die Ukraine. Bei den Gesprächen in der kommende Woche gelte es daher, präventiv vorzugehen, um Versorgungsprobleme von vorneherein auszuschließen.

In einem Brief an die europäischen Staats- und Regierungschefs in der vergangenen Woche warnte der russische Präsident Wladimir Putin, Russland würde die Erdgaslieferungen in die Ukraine stoppen, falls das Land seine Rechnungen nicht begleichen würde. Dies wiederum könnte zu einer Verringerung der Weiterlieferungen nach Europa führen.

Die Kosten für die South Stream Pipeline werden auf 17 Milliarden Euro geschätzt. Die Pipeline soll 2018 in Betrieb gehen.

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