Nach Rückzug von der Krim: Muss McDonald’s jetzt auch raus aus Russland?

Bereits seit Anfang April hat sich die Fastfood-Kette McDonald's von der Krim zurückgezogen. Nun bläst dem Konzern offenbar auch kalter Wind aus Russland entgegen. Ginge es nach einigen Politikern und Gegnern des Unternehmens, müsste der Burger-Gigant aus ganz Russland abziehen.

Aus „produktionstechnischen Gründen“ verkündete McDonald’s bereits am 4. April die Schließung seiner drei Filialen auf der Halbinsel Krim. Wann die Restaurants in Simferopol, Sewastopol und Jalta wieder öffnen, ist nicht bekannt. Doch bevor es soweit ist, droht weiteres Ungemach aus Russland.

Wladimir Schirinowski, Vorsitzender der Liberaldemokratischen Partei, sagt, Russland sollte alle Standorte der Kette im Land schließen. Und anscheinend hat er viele Russen hinter sich. Einer aktuellen Umfrage von Superjob Research Center zufolge unterstützen 62 Prozent der Befragten die Schließung aller McDonald’s-Filialen in Russland. Sichtbar wurde die Abneigung auch auf den Straßen. Erst in der vergangenen Woche tauchten Anti- McDonald’s-Aktivisten in mehreren russischen Städten auf. So sollen etwa in Brjansk Demonstranten „Nieder mit den amerikanischen Fast-Food!“ skandiert haben. Das berichtet die Washington Post.

In den 1980er Jahren waren die Vorzeichen andere: Damals, vor mehr als zwei Jahrzehnten, eröffnete McDonald’s seine erste Filiale in Moskau. 14 Jahre lang hatte der Konzern mit den Russen verhandelt. Dann, 1988, als zeitgleich auch ein Restaurant in Belgrad eröffnet wurde, war es endlich soweit und ein Vertrag wurde unterzeichnet. Am 31. Januar 1990 eröffnete schließlich die Moskauer Filiale auf dem Puschkin-Platz. Und trotz verhältnismäßig hoher Preise war der Andrang gigantisch.

Die Burger-Spezialisten traten ihren Siegeszug in Russland an. Noch immer hat die erste Filiale geöffnet und soll seither 130 Millionen Kunden verpflegt haben. Die Kette expandierte rasch mit mehr als 400 Restaurants in 22 Städten. Jüngste Pläne sehen nun eine Eröffnung in Sibirien vor. Gut 80 Prozent der Zutaten stammen mittlerweile aus russischer Produktion. Auch Krisen hat die Kette bislang gut gemeistert. Denn der Erfolg der „goldenen Bögen“ hatte auch seine Schattenseiten. Wurde er doch von vielen als ein Barometer der russischen Verwestlichung wahrgenommen. Zuletzt meldete sich im Jahr 2012 Chefhygieneinspektor Gennadi Onischtschenko zu Wort. Er appellierte an die Bevölkerung, sich patriotisch zu ernähren und exotische Produkte etwa von McDonald’s zu meiden. Burger, so die Ansicht Onischtschenkos, seien kein Essen für Russen.

Die Schließung von drei Restaurants auf der Krim scheint nun mit einer breiteren antiwestlichen Welle in Russland zusammenzufallen. Und McDonald’s, das vielleicht amerikanischste aller Restaurants, könnte ein neuerliches Ziel sein: Zuletzt geschah dies im Jahr 2008 bei Anti-US-Protesten in Serbien, als in eine McDonald’s-Filiale in Belgrad eingebrochen und verwüstet wurde.

Auf der Krim scheint übrigens bereits US-amerikanischer Ersatz in Sicht. Nach er vorübergehenden Schließung der „goldenen Bögen“ meldete sich Konkurrent Burger King zu Wort. Er bekundete nun Interesse, sich auf der Halbinsel niederzulassen. Wann, das steht jedoch in den Sternen.

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