Wegen Pirinçci-Interview: Initiative reicht Beschwerde beim ZDF ein

Die Publikumsrat-Initiative hat eine Beschwerde beim GEZ-finanzierten ZDF eingereicht. Das Pirinçci-Interview verstieß eindeutig gegen die Richtlinien des ZDF. Die Journalistin Susanne Conrad hatte dabei eine Schlüsselrolle gespielt. Das ZDF müsse endlich eine Beschwerdestelle einrichten.

Die Initiative für einen Publikumsrat für ARD, ZDF und Deutschlandradio hat eine Beschwerde beim ZDF-Fernsehrat eingereicht. Auslöser dieses Schritts war das Akif Pirinçci-Interview vom 2. April. Das ZDF habe gegen den Paragraphen 5 (Gestaltung der Sendungen) des ZDF-Staatsvertrags verstoßen.

Gemäß der Verordnung habe das ZDF die Aufgabe, „den Fernsehteilnehmern in Deutschland ein objektiven Überblick über das Weltgeschehen“ zu verschaffen. Dabei soll die „freie individuelle und öffentliche Meinungsbildung“ gefördert werden. Die kulturelle Vielfalt in Deutschland sei angemessen darzustellen. Dem Staatsvertrag zufolge verpflichtet sich das ZDF „die Würde des Menschen zu achten und zu schützen“.

So heißt es weiter im Vertrag:

„Die sittlichen und religiösen Überzeugungen der Bevölkerung sind zu achten. Die Sendungen sollen dabei vor allem die Zusammengehörigkeit im vereinten Deutschland fördern sowie der gesamtgesellschaftlichen Integration in Frieden und Freiheit und der Verständigung unter den Völkern dienen und auf ein diskriminierungsfreies Miteinander hinwirken.“

Doch Pirinçcis Thesen seien „aggressiv“ und „teils menschenverachtend“. Diese habe die ZDF-Journalistin unwidersprochen stehen lassen.

Es sei unverständlich, warum eine erfahrene Journalistin wie Susanne Conrad den Einspieler mit den Worten einleitet „zunächst zu Ihrem Buch und ein paar Ihrer interessanten Thesen“, die sie auch am Ende des Interviews „interessant“ fand. Somit erhalte die Hetze des Autors eine deutliche Aufwertung.

Auch das einleitende Erklärstück von Birgit Haake bestätigt vorhandene Stereotype, die zur Entmenschlichung von Muslimen beitragen.

„Auch die dargestellten burkinitragenden jungen Musliminnen sowie grimmig dreinblickende junge, dunkelhaarige Männer sind eher geeignet bestehende Vorurteile zu verstärken, als sie abzubauen. Der Beitrag wäre schließlich auch als Kontrapunkt zu Pirinçcis Parolen denkbar gewesen. Stattdessen stützen sich visuelle Stereotype und Off-Kommentar gegenseitig, z.B. in dem die These des Autors vom „Kostümtürkentum“ prominent an genau der Stelle genannt wird, als kopftuchtragende Musliminnen von hinten zu sehen sind (…).“

Auch angesichts der vergangenen Debakel, wie im Fall Markus Lanz, sei vor allem auf die fachliche Qualifikation der Journalisten zu achten, die ein Interview durchführen.

Zudem sei es bedauerlich, dass das ZDF immer noch keine unabhängige Stelle für Publikumsbeschwerden eingerichtet hat.

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