Fast drei Millionen potentielle Präsidentschafts-Wähler: Erdoğan plant Europa-Tour

Erstmals wählen die Türken in diesem Sommer ihren Präsidenten direkt. Auch im Ausland lebende Staatsbürger sind zum Gang an die Urne aufgerufen. Diese rund 2,6 Millionen potentiellen Wähler will der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan nun offenbar persönlich mobilisieren. Im Vorfeld ist eine großangelegte Europa-Tour geplant. Schwerpunkt ist die Bundesrepublik.

In diesem August wählt das türkische Volk erstmals seinen künftigen Präsidenten direkt. Wahlberechtigt sind allein in Deutschland gut 1,5 Millionen Deutsch-Türken. Auf sie und ihre Landsleute im europäischen Ausland will sich Premier Erdoğan bei einer Europa-Tour konzentrieren.

Das Potential jenseits der türkischen Staatsgrenzen ist riesig. Nach Angaben des Obersten Wahlausschusses (YSK)  gibt es rund 2,6 Millionen Wähler, die  im Ausland leben. Sie stellen damit rund fünf Prozent der gesamten Wählerschaft. Um diese Stimmen zu gewinnen, planen Erdoğan und die regierende AKP eine Tour durch Staaten wie Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Belgien. Daas berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Wo und wann der Premier genau Halt machen werde, müsse noch ausgearbeitet werden, so das Blatt weiter. Sicher scheint bisher bereits ein Stopp in Brüssel, wo die AKP zugleich eine Eröffnungsfeier ihres neuen Büros abhalten wolle.

Die türkischen und deutschen Behörden würden unterdessen bereits fieberhaft daran arbeiten, Wahlmöglichkeiten für die stimmberechtigten Deutsch-Türken zu schaffen. Im Auge sollen dabei vor allem Turnhallen oder andere öffentliche Gebäude sein. Als Wahllokal soll außerdem das Berliner Olympia-Stadion auserkoren worden sein.

In der Vergangenheit gaben Auslandstürken ihre Stimmen in den Wahllokalen an Grenzübergängen ab. Die Folge: In der Vergangenheit gaben durchschnittlich nur sieben Prozent der Wahlberechtigten im Ausland auch tatsächlich ihre Stimmen ab. Dank der jüngsten Änderung des Wahlgesetzes wird nun eine deutlich höhere Anzahl an Stimmen erwartet.

Derzeit ist jedoch  noch nicht einmal klar, wer sich für den Präsidentenposten zur Verfügung stellen wird. Der amtierende Präsident Abdullah Gül hüllt sich über seine politische Zukunft in Schweigen, schließt aber einen Tausch mit Erdoğan nach russischem Vorbild aus (mehr hier). Auch Erdoğan hat sich noch nicht definitiv für eine Kandidatur entschieden. Bei dem Parteitreffen der AKP in Ankara äußerten die Abgeordneten jedoch bereits ihre uneingeschränkte Unterstützung für dessen Kandidatur (mehr hier).

„In der kommenden Woche werden wir mit 1100 Delegierten unserer Partei zusammenkommen. Wir werden den relevanten Parteien zuhören und natürlich werden wir auch mit unserem Präsidenten sprechen. Aufgrund dieser Konsultationen werden wir dann die beste Entscheidung treffen“, so der Premier am Freitag in Ankara. Die erste direkte Wahl des Präsidenten durch das türkische Volk berge eine historische Verantwortung. Gelingt es, diesen Prozess ohne Schwierigkeiten umzusetzen, wäre das ein Meilenstein für die Zukunft.

Die im Ausland lebenden Türken wählen in einer ersten Runde bereits zwischen 31. Juli und 3. August. Die zweite Runde findet zwischen dem 17. August und 20. August statt.

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