Ungewöhnlicher Brennstoff: Erste Ökö-Stadt der Türkei soll mit Pistazien geheizt werden

Unbeirrt hält die Türkei derzeit an ihren Atomkraftplänen fest. Dass es auch anders geht, will man im Süden des Landes beweisen. Dort ist ein ehrgeiziges Projekt im Gange, das zu einem echten Vorreiter für saubere Energie werden könnte. Geheizt werden soll die Ökostadt nämlich mit einem 100-prozentigen Naturprodukt: Pistazienschalen.

In der Türkei ist derzeit die Ausschreibung für die erste ökologische Stadt angelaufen. Öffentliche Gebäude sollen dort künftig durch die Verbrennung von Pistazienschalen beheizt werden. Beschaffungsprobleme sollten dabei nicht auftreten: Vorhanden ist der Rohstoff in der südtürkischen Region Antep reichlich.

Das ehrgeizige Projekt soll innerhalb von fünf Jahren in einem 3.200 Hektar großen Gebiet zwischen Gaziantep und der Provinz Kilis an der türkischen Grenze zu Syrien entstehen. Das französische Umweltingenieurbüro Burgeap hat nun im Dezember 2013 herausgefunden, dass die Pistazienschalen aus Antep einen Heizwert von 1,96 pro Kilogramm aufweisen und somit die plausibelste Energiequelle der Region darstellen. Die Fachleute sind überzeugt, dieser Wert reiche aus, um 55 Hektar Gebäudefläche zu heizen und zu kühlen. Einen Abschlussbericht über die Machbarkeit soll der Gemeindeverwaltung von Gaziantep bereits nächsten Monat vorgestellt werden. Das berichtet das türkische Nachrichtenportal Worldbulletin.

Nach Angaben der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation liegt die Türkei mit ihrer Pistazien-Produktion in Antep an dritter Stelle weltweit. Nach Angaben von Aysegul Tekerekoglu, Energiemanager von Gaziantep, würde die Öko-Stadt eine Vielzahl von energiesparenden Systemen wie begrünte Dächer, Solarenergie, Abfallwirtschaft und die Sammlung von Regenwasser einsetzen. Bevor eine Entscheidung über die jüngsten Ideen aus Frankreich gefällt werde, würde man sich deren Bericht aber genau ansehen. Fertig gestellt werden könnte dies dann aber bereits binnen zwölf Monaten. Die Kosten sollen sich Tekerekoglu auf 600.000 Euro belaufen.

Vorreiter in Sachen grüner Energie ist Gaziantep bereits. Dort befindet sich ein experimentelles ökologisches Haus, das schon jetzt Anwärter für eine Reihe von internationalen Auszeichnungen sein soll. Das erst im September 2013 gebaute Anwesen verfügt über 40 Zentimeter dicke Wände, dreifach verglaste Fenster und ein grünes Dach. Photovoltaik-Module auf dem Hof ​​produzieren Strom. Unterirdisch verlegte Rohre lassen die Frischluft im Haus zirkulieren. Im Sommer hilft das System den Innenraum kühl zu halten, im Winter wird die Wärme aus der Erde genutzt. Allein durch die Rohre sollen 21 Prozent an Energie eingespart werden können, so Tekerekoglu. Energie wird auch durch die Aufbereitung von Schmutz- und die Sammlung von Regenwasser eingespart. Das Energiesparhaus ist als Vorbild für all jene gedacht, die ein Grundstück in der geplanten Öko-Stadt erwerben und dort ein Haus bauen möchten.

Unmittelbar nach der Errichtung haben sich die Erbauer unter anderem um eine Anerkennung durch das deutsche Passivhaus Institut bemüht. Die unabhängige Forschungseinrichtung spielt eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von Häusern mit minimalem Kohlendioxid-Emissionen und Energieverbrauch. Das Institut verleiht außerdem das einzige international anerkannte Zertifikat für performance-basierte Energiestandards in der Konstruktion.

Bedenken der Bauherren, durch solche Vorkehrungen mit höheren Kosten konfrontiert zu werden, begegnet der türkische Energiemanager entschieden. Solche Systeme würden sich durch die Energieeinsparungen innerhalb von rund fünf Jahren amortisieren.

Projekte wie diese werden für die Türkei zunehmend wichtiger. Nach Zahlen des türkischen Statistikinstituts aus dem Jahr 2012, importiert das Land rund 75 Prozent seiner Energie. Insgesamt, so die aktuellen Schätzunge, könnten Haushalte zwischen 50 bis 70 Prozent der Energie durch das Einbringen solcher Systeme einsparen. Landesweit könnten so fünf bis sechs Milliarden Dollar jährlich eingespart werden, so das Blatt weiter.

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