OECD: Die Türkei braucht bessere Lehrkräfte

Um die türkische Gesellschaft dynamischer und wettbewerbsmächiger zu machen, muss die Schulbildung verbessert werden. Darauf weist OECD-Koordinator und Erfinder der Pisa-Studie Andreas Schleicher auf einer Bildungskonferenz in Istanbul hin. Das Vorhaben steht und fällt jedoch mit fähigen und vor allem eigenständigen Lehrern.

Um das Niveau der türkischen Schüler steht es in einigen Bereichen nicht zum Besten, so OECD-Koordinator Andreas Schleicher. In Mathematik und Naturwissenschaften seien die jungen Leute die Schlusslichter in Europa. Angegangen werden müsse das Problem jedoch von der Erwachsenenseite. Seiner Ansicht nach bräuchten die türkischen Lehrkräfte vor allem eines – mehr Freiräume.

„Die Türkei hat enorme Fortschritte gemacht. Es gibt viele Verbesserungen. Wenn man die Pisa-Ergebnisse von 2012 und 2013 vergleicht, sieht man, dass das Land vorangekommen ist“, zitiert die Nachrichtenagentur Andolu den Statistiker und Bildungsforscher (mehr hier). „Doch den jüngsten Pisa-Ergebnissen zufolge liegt die Türkei auf dem letzten Platz der EU-Staaten und liegt in den Fächern Mathematik, Lesen, Naturwissenschaften und Problemlösungskompetenz innerhalb der OECD-Länder nur vor Mexiko.“ (mehr hier) Die Qualität der türkischen Bildung könne allerdings nicht ohne eine Qualitätsverbesserung bei den Lehrkräften einhergehen, so der Leiter der OECD-Abteilung für Indikatoren und Analysen im Direktorat für Bildung.

„Die Türkei hat ein faires, objektives und strenges Bewertungssystem für Lehrer. Während viele andere Länder noch damit zu kämpfen haben, hat die Türkei das bereits erreicht. Meine Sorge gilt mehr der Relevanz. Man wird noch lange kein guter Lehrer, in dem man eine Menge Wissen widergibt“, sagt Schleicher. Gute Bildungssysteme würden versuchen, die begabtesten Lehrkräfte für die schwierigsten Klassen und die besten Direktoren für die schwierigsten Schulen zu gewinnen.

Nachholbedarf sieht Schleicher vor allem bei den Freiräumen für türkische Lehrer. Autonomie bedeute in ihrem Fall etwas zu erfinden und zu erschaffen. Doch genau hier hätten sie nur begrenzte Möglichkeiten den Unterricht zu gestalten. „Die Türkei will sich in eine Wissensgesellschaft mit einer hoch wettbewerbsfähigen Wirtschaft und einer nachhaltigen Entwicklung verwandeln und schließlich zu einem Mitglied der Europäischen Union werden. Bildung ist von strategischer Bedeutung zur Erreichung dieser anspruchsvollen Ziele. Hierzu braucht es ständigen Fortschritt bei der Gleichheit, der Qualität, Demokratieerziehung und der Bildung von Sozialkapital.“

Neu ist sein Appell nicht. Gerichtet hat ihn Schleicher in den vergangenen Jahren auch nicht nur an die Türkei. So erklärt er bereits 2010 in einem Interview mit dem Deutschlandfunk zu 15 Jahren Pisa-Test:

„Ich glaube, die Leistungsvergleiche sind nur eine Perspektive. Sie können nicht das, was im Unterricht passiert, ersetzen, sondern können es nur ergänzen. Sie können für Lehrer und Schulen eine Perspektive schaffen, was erreichbar ist, und Probleme aufzeigen, denn was man nicht messen kann, kann man auch nur sehr schwer verbessern. Aber der Erfolg letztendlich, der Erfolg hängt davon ab: Gewinnen wir die besten Köpfe für den Lehrerberuf, können wir diese Leute so ausbilden, dass sie Arbeit sinnvoll tun können, können wir ihnen eine Arbeitsumgebung schaffen, in der sie sich kreativ entfalten können, können wir sicherstellen, dass die besten und fähigsten Lehrer die schwächsten Schüler unterrichten? Davon hängt letztendlich der Erfolg ab, nicht von den Tests.“

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