Frieden für die Ukraine: Nach Gezi-Auftritt spielt deutscher Pianist jetzt in Donetsk

Vor gut einem Jahr sorgte der deutsche Pianist Davide Martello auf dem Istanbuler Taksim Platz für Aufsehen. Jetzt hat der junge Mann mit den sizilianischen Wurzeln sein Klavier in der ostukrainischen Stadt Donetsk aufgestellt. Vor der von pro-russischen Einheiten besetzten Regionalverwaltung spielte er nun auch hier für den Frieden.

Eingängige Stücke unter freiem Himmel an ungewöhnlichen Orten: Mit dieser Vorgehensweise hat sich der aus Lörrach stammende Komponist Davide Martello spätestens seit seinem Auftritt im Zuge der Gezi Park Proteste am 12. Juni 2013 international einen Namen gemacht. Jetzt zog es den Musiker in die Ukraine. Sein Ziel ist auch dort Frieden und Verständigung.

Die gewaltsamen Niederschlagungen der türkischen Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern konnten Davide Martello im Juni 2013 nicht schocken. Ebenso wenig hält ihn offenbar die sichtlich angespannte Lage in der Ukraine von seiner Mission ab. Sein Klavier schlug der heute 32-Jährige nach seinem legendären Auftritt auf dem Istanbuler Taksim Platz am Ostermontag in Donetsk auf. Die Stadt steht im Augenblick im Zentrum des Konfliktes zwischen prorussischen Kräften im Osten und Südosten der Ukraine und ukrainischsprachigen Nationalisten in anderen Landesteilen. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Während pro-russische Separatisten das Gebäude der Regionalverwaltung für sich beanspruchten, äußerte der Baden-Württemberger nur wenige Meter weiter seine Hoffnung auf eine friedliche Lösung der Krise. Allein seine Anwesenheit, so der Künstler, solle helfen, die Spannungen unter den Demonstranten zu zerstreuen.

Der in Italien geborene Künstler  der sich seit 2011 auf einer Weltreise befindet, entkam im vergangenen Jahr der türkischen Polizeigewalt. Sein Instrument hatte bei dem spontanen Auftritt weniger Glück und wurde von den Beamten für zwei Tage konfisziert. Erst nach einem Verhör und der Zahlung einer Geldstrafe erhielt Martello das Klavier zurück. Mit ihm gemeinsam konzertierte damals der türkische Musiker Yiğit Özatalay. Zu Gehört brachten die beiden einige klassische Melodien und einige Sonaten. Sein Beweggrund damals war klar. Als Künstler könne er die Einschnitte bei der Meinungsfreiheit nicht hinnehmen, so Martello zu den türkischen Medien.

Seine Reise führte ihn zuvor auch nach Usbekistan und Afghanistan. Eigentlich lebt er in Konstanz und ist gelernter Friseur. Seinen Flügel transportiert er in einem Anhänger und kann ihn mit einer Seilwinde ein- und ausladen.

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