Zu lauter Muezzin: Deutsche Türkei-Urlauber verklagen Reiseveranstalter

Ein Ehepaar aus Hannover hatte sich seinen Urlaub in der Türkei offenbar etwas anders vorgestellt. Statt Ruhe und Entspannung trafen sie auf einen vermeintlich viel zu lauten Muezzin. Als die Landung beim Rückflug dann auch noch holprig ausfiel, war zumindest ihr Maß voll. Ein Gericht teilte die Einschätzung der beiden allerdings nicht. Ihre Klage gegen den Reiseveranstalter wurde abgewiesen.

In den Augen der Hannoveraner fiel ihre 2258 Euro teure zweiwöchige Flugpauschalreise an die türkische Ägäisküste völlig ins Wasser. Sie verklagte ein hannoversches Reiseunternehmen. 1161,26 Euro, also gut die Hälfte des Reisepreises, wollte man zurückerstattet haben. Vergebens.

Gründe dafür gab es in den Augen der Urlauber gleich mehrere: Alles begann mit einer defekten Armlehne auf dem Hinflug. Dort angekommen, stellte sich heraus, dass es in der Nähe der Hotelanlage eine Moschee gab. Mehrmals täglich habe der Muezzin lautsprecherverstärkt zum Gebet gerufen, das erste Mal bereits um sechs Uhr morgens. Als am Ende der Reise der dritte Landungsversuch obendrein unsanft vonstatten ging, war die schönste Zeit des Jahres völlig gelaufen, so die Neue Presse.

Auf Verständnis stießen sie mit ihrem Ansinnen vor dem hiesigen Amtsgericht aber nicht. Die Klage der beiden (Aktenzeichen 559 C 44/14) wurde am 11. April komplett abgewiesen. Die Richter argumentierten schlüssig. Schließlich seien Muezzinrufe etwas Typisches für die Türkei und etwa mit den Kirchenglocken hierzulande vergleichbar. Die Urlauber hätten durchaus damit rechnen können, wenn sie sich in ein Hotel im Zentrum des Ortes Doganbey einmieteten. Um einen Reisemangel handelt es sich dabei also ganz und gar nicht. Auch ihre Flugerfahrungen wurden nicht als kompensationswürdig anerkannt. Schließlich, so das Gericht, habe der Luftbeförderer keinen Einfluss auf die Wetterbedingungen. Und von denen hänge nunmal auch die Landung ab. Auch hier gilt daher: Mit einem unsanften Aufsetzen hätten die beiden rechnen müssen. Eine defekte Armlehne sei überdies eine bloße Unannehmlichkeit.

Ein Einzelfall ist das kuriose Klage-Ansinnen übrigens ganz und gar nicht. So wurde das Landgericht Hannover in der Vergangenheit auch schon bemüht, weil einem Seychellen-Urlauber aus Wiesbaden die Wellen zu hoch waren (AZ 1 O 59/09). Er hatte ebenfalls wenig Erfolg. Anderen deutschen Urlaubern waren auf Mauritius hingegen zu viele Einheimische am Strand. Einen Mangel konnte das Amtsgericht Aschaffenburg hier aber ebenfalls nicht erkennen (AZ 13 C 3517/95). Andernorts sind Urlauber nicht weniger kritisch: Eine polnische Mutter, deren Tochter schwanger aus dem Ägyptenurlaub heimkehrte und dafür einen mit Spermien verseuchten Hotelpool verantwortlich machen wollte, hatte verständlicherweise wenig Aussichten auf Erfolg. Einem Briten waren hingegen zu viele Deutsche in seinem Urlaubshotel.

Apropos: Auch die Beschwerde ob eines Muezzinrufes im Urlaub ist nicht neu. Befassen musste sich damit bereits vor Jahren das Amtsgericht Düsseldorf, das die Gebetsrufe als hinzunehmende, ortsübliche Geräusche einstufte (AZ 48 C 5461/08).

Wer durch die Wüste fährt, muss sich eben auch auf Sand einstellen.

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