Vkontakte-Gründer: Soziales Netzwerk ist völlig in Putins Hand

Vkontakte-Gründer Pawel Durow versetzt seine User in höchste Besorgnis. Der am Montag offenbar nicht freiwillig zurückgetretene Chef von Russlands größter Social-Networking-Website weist darauf hin, dass das Unternehmen sich nun „unter der vollständigen Kontrolle“ zweier Oligarchen mit engen Beziehungen zu Präsident Wladimir Putin befinde.

Der 29-jährige Gründer des russischen Facebook-Pendants Vkontakte, Pawel Durow hat sich in dieser Woche mit einem Paukenschlag aus dem Unternehmen verabschiedet. Streit um Nutzer-Daten hatte es schon lange gegeben. Jetzt soll das Netzwerk völlig in den Händen Kreml-Treuer liegen.

Am 21. April teilte er den gut 200 Millionen Vkontakte-Mitgliedern aus Russland und den umliegenden Staaten in einem Eintrag mit, dass er als CEO der 2006 gegründeten Seite entlassen worden sei. Der russische Mark Zuckerberg behauptet, dass er erst durch die Medien von diesem Schritt erfahren habe. Nun befände sich das Netzwerk unter der Kontrolle von Alisher Usmanov. Der gilt derzeit nicht nur als der reichste Mann Russlands, sondern ist auch Chef des Web-Riesen Mail.ru. Ihm zur Seite stehe Durow zufolge Igor Setschin, CEO einer staatlichen Ölgesellschaft und ebenfalls ein enger Verbündeter Putins. Der Internet-Unternehmer kommentiert die Situation spitz: „Es ist interessant, dass die Aktionäre nicht den Mut haben, es direkt zu tun“, zitiert ihn das Portal The Verge.

Erst vor wenigen Tagen erklärte Durow, dass der russische Inlandsgeheimdienst (FSB) die Herausgabe von Daten pro-westlicher Aktivisten aus der Ukraine verlangt habe. Dies habe er jedoch abgelehnt. In der Folge musste er jedoch seine verbleibenden Unternehmensanteile an ein von Usmanov kontrolliertes Unternehmen, das Moskauer Privat-Equitity-Unternehmen United Capital Partners (UCP), verkaufen.

Auch Experten, so das Blatt weiter, hätten darüber spekuliert, dass der Kreml nun auf Vkontakte und andere Social Media-Webseiten in gleicher Weise Einfluss nehmen wolle, wie auf die Print-und TV-Medien. Die Befürchtungen kommen nicht von Ungefähr: Nicht wenige Anti-Putin-Demonstrationen der Jahre 2011 und 2012 sollen über solche Wege organisiert worden sein. Vkontakte weigerte sich vor drei Jahren ebenfalls entsprechende Gruppen zu sperren. Zuletzt unterstützte der Vk-Gründer die inhaftierten Mitglieder der Protest-Punkband Pussy Riot.

Aufhorchen ließ der Internet-Millionär zuletzt am 1. April, als er schon einmal seinen Rückzug von seinem Chefposten verkündete. Nur zwei Tage später tat er dies allerdings als einen Aprilscherz ab. In einer Vk-Erklärung vom Montag hört sich das jedoch ganz anders an. Darin heißt es, Durow habe sein Rücktrittsschreiben bereits am 21. März eingereicht. Die damit verbundene Frist von einem Monat sei nun abgelaufen.

Im Augenblick scheint noch nicht klar, wer die Rolle des CEO übernehmen wird. Bis dahin haben offenbar der stellvertretende Vorstandschef Boris Dobrodeyev und Geschäftsführer Dmitry Sergeyev diese Aufgabe inne. Angeblich soll Durow bereits eine weitere Mitarbeit angeboten worden sein. Seinem Post zufolge hat er jedoch das Gefühl, dass seine Zeit bei Vk abgelaufen sei:

„Wahrscheinlich war so etwas im russischen Kontext unvermeidbar. Aber ich bin froh, dass es siebeneinhalb Jahre gedauert hat. Wir haben eine Menge getan. Ein Teil dessen, was wir getan haben, kann nicht umgekehrt werden.“

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