Kampf gegen Polio: Türkei startet Impfaktion in Syrien

Die türkische Stiftung für Humanitäre Hilfe (IHH) hat gemeinsam mit der International Federation of Physicians (AID) und dem türkischen Waqf Jugend eine Polio- Impfkampagne in Syrien gestartet. Bereits seit November 2013 ist man in der türkisch-syrischen Grenzregion aktiv.

Die Türkei setzt ihr Engagement im Kampf gegen Polio in Syrien fort. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Impfaktionen in der Türkei, sind die Helfer nun ins Nachbarland vorgedrungen.

Ende vergangenen Jahres war die tückische Krankheit erstmals seit 1999 wieder in Syrien aufgetaucht. Hunderttausende syrische Kinder sind bedroht. Derzeit wird angenommen, dass die Kinderlähmung bereits gut 150.000 neue Opfer gefordert hat. Das berichtet der Middle East Monitor.

Aufgespürt wurde der in kontaminierten Lebensmitteln und Wasser aufgtretende Polio-Virus in der syrischen Provinz Deir Al-Zour. Die Gegend gilt als eine der am wenigsten entwickelten Regionen des Landes. Gelingt es nicht, den Polio-Virus einzudämmen, stellt er auch eine Bedrohung für die Nachbarstaaten und sogar Europa dar. In Deutschland ist Polio zwar seit Jahrzehnten keine Gefahr mehr. Durch die Vorfälle in Syrien und auch Israel könnte sich das allerdings ändern, befürchten Professor Dr. Martin Eichner vom Universitätsklinikum Tübingen und Stefan O. Brockmann vom Kreisgesundheitsamt Reutlingen. „Da nur etwa einer von 200 ungeimpften Infizierten Kinderlähmung entwickelt, könnte das Virus in Deutschland unerkannt eingeschleppt werden. In unzureichend geimpften Bevölkerungsgruppen könnte es sich lange Zeit unbemerkt ausbreiten, ohne sich durch Poliofälle bemerkbar zu machen“, heißt es in einer Mitteilung des Universitätsklinikums Tübingen.

Vorstellbar ist für sie eine direkte Einschleppung durch syrische Flüchtlinge oder Israelis. Denkbar sei aber auch der indirekte Weg über Länder mit einer geringen Durchimpfung wie Bosnien und Herzegowina, die Ukraine, sowie Österreich. Impfaktionen auf Flüchtlinge zu beschränken, das halten die Fachleute übrigens für unzureichend. Zusätzlich müssten Abwasserproben auf Polioviren untersucht werden. In Deutschland geschieht das übrigens nicht routinemäßig (mehr hier).

Die UN kündigte bereits Ende vergangenen Jahres an, zeitnah mehr als 20 Millionen Kinder in sieben Ländern immunisieren zu wollen (mehr hier). „Der Polio-Ausbruch in Syrien ist nicht nur eine Tragödie für die Kinder, es ist ein dringender Alarm und eine entscheidende Gelegenheit, alle unter-immunisierten Kinder zu erreichen, wo auch immer sie sind“, zitiert Channel News Asia Peter Crowley vom UN-Kinderhilfswerk. Gerade in Syrien sei die Impfrate von über 90 Prozent vor Ausbruch des Bürgerkriegs im März 2011 auf aktuell 68 Prozent gefallen (mehr hier).

Polio wurde in der Türkei bereits vor 16 Jahren ausgerottet. Dank einer weltweiten Kampagne gegen Polio, ist das Virus derzeit in nur drei Ländern endemisch: Afghanistan, Pakistan und Nigeria.

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