Geklaute Elektrizität in der Türkei: Illegale Zapfer verursachen Defizit in Milliardenhöhe

Das illegale Treiben einiger Haushalte in mehreren südöstlichen Provinzen der Türkei verursachte allein im Jahr 2013 einen Schaden von fast zwei Milliarden Euro. Würde man allen 35 Millionen bei einem türkischen Energieunternehmen registrierten Haushalten den abgezapften Strom gleichermaßen in Rechnung stellen, hätte jeder einzelne zusätzliche Kosten von fast 50 Euro zu stemmen.

Im vergangenen Jahr startete der türkische Stromversorger (TEDAŞ) vier Privatisierungsausschreibungen. Für insgesamt 3,4 Milliarden Dollar wurden am Ende Dicle, Vangölü, Toroslar und Anatolian Side verkauft. Den Zuschlag für Dicle Electric Distribution A.Ş. (DEDAŞ) erhielt das İşkaya Doğu-Konsortium für 387 Millionen Dollar. DEDAŞ liefert Elektrizität in die südöstlichen Provinzen Diyarbakır, Şanlıurfa, Mardin, Batman, Siirt and Şırnak. Doch das Geschäft hat einen offensichtlichen Haken. Denn dort nutzen ganze 71,4 Prozent der Bevölkerung den Strom illegal. Das Defizit allein für 2013 war entsprechend beachtlich: 4,9 Milliarden Türkische Lira, umgerechnet gut 1,67 Milliarden Euro.

Zustande kommt diese Zahl jedoch nicht nur durch die illegalen Machenschaften der Haushalte. Auch der Stromverbrauch selbst hat sich in den südöstlichen Provinzen von 2009 bis 2013 um ganze 24 Prozent gesteigert und erreichte zuletzt 19,3 Milliarden Kilowatt. Das berichtet die türkische Zeitung Vatan.

DEDAŞ-Sprecher Mehmet Gökay Üstün zufolge seien nur 4,6 Milliarden Kilowatt des Gesamtstromverbrauchs bezahlt worden. „Die Gesamtkosten für den Stromverbrauch beliefen sich auf 6,4 Milliarden TL, einschließlich Steuern. Aber nur 1,5 Milliarden TL wurden auch tatsächlich gezahlt. Der Rest in Höhe von 4,9 Mrd. TL wurde von registrierten Abonnenten bundesweit getragen.“ Nach der Privatisierung sei die Rate der illegalen Stromverbraucher aber immerhin um ein Prozent gesunken, sodass der Verlust um 40 Millionen TL zurückgegangen sei.

Der Energieminister Taner Yıldız möchte von Sanktionen gegen Bürger, die bisher illegal Strom bezogen haben, absehen. Doch Voraussetzung für diese Milde sei, dass die Betroffenen sich möglichst bald als Stromnetz-Nutzer anmelden. Er verspricht eine umfassende Straffreiheit.

Währenddessen könnte es zum Betriebs-Stillstand des Atatürk-Staudamms im Südosten der Türkei kommen. Der Wasserpegel sei derart gesunken, dass eine Stromproduktion kaum noch möglich sei. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sei der Wasserstand im April von 538,3 Meter auf 536.87 Meter gesunken.

Sollte der Wasserstand unter 524 Meter fallen, muss der Staudamm endgültig außer Betrieb gehen, sagte ein Sprecher der Staatlichen Wasserwerke (DSI) der Today`s Zaman. Auch Energieminister Yıldız ist sich dieser Gefahr bewusst. Er hofft auf einen atmosphärischen Niederschlag, der sich positiv auf den Wasserstand auswirken könnte.

Doch sollte der ausbleiben, könne sich das Land auf einen Rückgang bei der Strom-Produktion einstellen.

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