Wenn Medikamente nicht helfen: Elektrische Stimulation gegen Kopfschmerzen

Wo vorbeugende Medikamente gegen chronische Kopfschmerzen versagen, könnten neurophysiologische Verfahren helfen. Dazu werden Elektroden an Nervenknoten angelegt.

Mehr als 0,5 Prozent der Deutschen leiden unter chronischer Migräne oder unter Clusterkopfschmerz, der durch sehr starke, anfallartige und konstant einseitig auftretende Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist. Bei jedem Zweiten der Betroffenen führen vorbeugende Medikamente, Akupunktur oder Entspannungstechniken nicht zu Besserung.

„Menschen mit chronischen Clusterkopfschmerzen sprechen nur selten auf eine Prophylaxe an“, zitiert DocCheck News Stefan Evers von der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN). In diesen Fällen empfehle sich eine sogenannte Neuromodulation, also das Stimulieren von Nerven durch elektrische Impulse. Erste Studien seien vielversprechend.

Ein internationales Forscherteam entdeckte, dass Patienten mit Clusterkopfschmerz die Stimulation des Ganglion sphenopalatinum helfen kann, eines Nervenknotens hinter dem Kieferknochen, der Nervenfasern zu Auge und Nase schickt. Die Wissenschaftler hatten bei den Betroffenen in der Nähe dieses Nervenknotens Elektroden implantiert.

Wurden die Patienten dann von Kopfschmerzen heimgesucht, konnten sie die Elektroden mithilfe einer Fernbedienung anschalten. Die gezielte Nervenstimulation verringerte bei rund zwei Dritteln der Patienten die Häufigkeit oder Stärke der Anfälle. Das Stimulationsgerät kann von jedem Chirurgen implantiert werden.

Zu ähnlich vielversprechenden Ergebnissen kamen Studien, bei denen Elektroden den Vagusnerv am Hals stimulierten. Ein chirurgischer Eingriff ist hierbei nicht notwendig. In den USA ist dieses Verfahren bereits zur Behandlung schwerer Depressionen zugelassen, wenn Medikamente keine Wirkung zeigen.

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse warnt Evers vor einer verfrühten Anwendung in der Praxis. Stimulationsverfahren gegen Kopfschmerzerkrankungen sollten derzeit ausschließlich in Studien untersucht werden. „Mit ersten Empfehlungen zur genauen Platzierung der Elektroden und zur optimalen Stromstärke rechnen wir in etwa einem Jahr“, so Evers.

Evers nimmt an zwei von bundesweit sechs Langzeitstudien teil, die die Stimulation des Ganglion sphenopalatinum und des Vagusnervs bei chronischen Clusterkopfschmerzen und chronischer Migräne untersuchen.

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