Präsidentschaftswahlen: Macht Erdoğan seine Uni-Laufbahn einen Strich durch die Rechnung?

Ein führendes Mitglied der türkischen Oppositionspartei MHP stellt eine mögliche Kandidatur von Premier Recep Tayyip Erdoğan für das Präsidentenamt infrage. Dem AKP-Mann fehle ein akademisches Jahr. Statt der erforderlichen vier, habe er nur drei Jahre studiert. Doch der Rektor der Marmara-Universität bestreitet das.

Der stellvertretende Führer der MHP-Fraktion Yusuf Halaçoğlu ist der Ansicht, dass der türkische Premier aufgrund seiner zu kurzen Hochschulbildung nicht ins Präsidentenamt wechseln kann. Erdoğan ist Absolvent der İTİA. Das Studium dort lief über drei Jahre und wird mittlerweile nicht mehr angeboten.

„Ich habe Freunde, die zur gleichen Zeit wie Erdoğan ihren Abschluss machten“, zitiert die Nachrichtenagentur Cihan Halaçoğlu. „Zur Zeit seiner Graduierung war es ein dreijähriges Studium. Unsere Gesetze machen aber deutlich, dass Präsidentschaftskandidaten Absolventen der vierjährigen Universitäten sein müssen.“ Die Schule in Sultanahmet sei später geschlossen worden. In ihre Stelle sei die Fakultät für Wirtschafts- und Handelswissenschaften der Istanbuler Marmara-Universität getreten. „Ich weiß nicht, ob Erdoğan später an dieser Fakultät eingeschrieben war und die vier Jahre abgeschlossen hat. Darüber sollte er eine offizielle Erklärung abgeben“, so der MHP-Politiker weiter. Für Halaçoğlu ist klar: Hat der Premier tatsächlich nur drei Jahre studiert, kann sein Abschlusszeugnis nicht als zu einem Diplom gleichwertig betrachtet werden. Und in diesem Fall könnte der Premier auch nicht für das Präsidentenamt kandidieren.

Die AKP hat sich bisher nicht zur These des MHP-Mannes geäußert. Auch ein Blick auf die Internetseite des Premiers verschafft wenig Klarheit. Dort wird angegeben, Erdoğan habe 1981 an der Fakultät für Wirtschafts- und Handelswissenschaften der Istanbuler Marmara-Universität graduiert. Doch diese gibt ihr Gründungsjahr selbst mit 1982 an. Eine entsprechende Fakultät findet sich ebenfalls nicht. Nur die Fakultät für Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften.

Die 1959 gegründete İTİA wurde mit Gründung der Marmara-Universität geschlossen. Auch sie bot vierjährige Studiengänge an. Die Aksaray Schule, die der Premier besuchte, lief jedoch nur über drei Jahre. Weitere Hinweise finden sich auf der Homepage Gerçek Gündem. Dort heißt es, die İTİA wäre im zweiten Studienjahr des Premiers geschlossen worden. Der Premier und seine Mitstudenten hätten darauf hin Abschlüsse der Marmara-Universität erhalten. Das bestätigte auch der Rektor der Marmara-Universität, Prof. Dr. Zafer Gül in einer Mitteilung, berichtet sondakika.com.

Halaçaoğlu ging mit seiner These erstmals bei Beyaz TV an die Öffentlichkeit. Der AKP-Abgeordnete Mehmet Metiner beschuldigte Halaçoğlu daraufhin, nach einer Ausrede zu suchen, um Erdoğans Weg ins Präsidentenamt zu stoppen. Seiner Ansicht nach verhalte sich der Oppositionspolitiker wie der ehemalige Generalstaatsanwalt des Obersten Berufungsgerichts, Sabih Kanadoğlu. Dieser griff 2007 in die Wahlen ein, als er geltend machte, dass mindestens 367 Abgeordnete im Parlament hätten anwesend sein müssten. Derartige Vorwürfe will Halaçoğlu hier allerdings nicht gelten lassen. Seiner Ansicht nach sei die Sachlage hier relativ simpel.

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