Kein uneingeschränkter Atomkurs: Türkischer Solarmarkt nimmt an Fahrt auf

Während das erste türkische Atomkraftwerk in Akkuyu immer konkretere Formen annimmt, tut sich auch auf alternativen Pfaden einiges. Seit vergangener Woche läuft die 20. Internationale Energie- und Umweltmesse in Istanbul. Es wird deutlich: Der Binnenmarkt gewinnt derzeit an Fahrt. Großes Geld ist jedoch nicht zu verdienen.

Bereits der erste Tag der 20. Internationalen Energie-und Umweltmesse und Konferenz (ICCI) am 24. April vermittelte einen zuversichtlichen Eindruck über den Stand der Solar-Branche in der Türkei. Die hiesigen Hersteller im Istanbuler Expo Center haben nicht nur eine Reihe spannendener Projekte in der Pipeline. Das größte unter ihnen, eine 30 MW-Photovoltaikanlage, soll sogar schon bald in die Tat umgesetzt werden.

Wie ein Sprecher der in Istanbul ansässigen Unternehmung EPC Tekno Ray Solar der Fach-Publikation pv magazine bestätigte, werde das chinesische Solarunternehmen Yingli eine aktive Rolle bei der Entwicklung jenes Solarkraftwerks spielen. Die so genannten Wechselrichter sollen hingegen vom türkischen Vertriebspartner Danfoss und Zenit aus Izmir stammen. Weitere Details über das Vorhaben würden in Kürze bekannt gegeben.

Erneuerbare Energien: Die Türkei braucht Fachkräfte

Großes Augenmerk, so der Eindruck, werde zudem auf die Ausbildung und Aufklärung der türkischen Bürger gelegt, um dem Land die Entwicklung einer eigenständigen inländischen PV-Industrie zu ermöglichen. So werde die Universität von Izmir gemeinsam mit dem Zenit-Team eine dreijährige Ausbildung für Ingenieure und Installateure anbieten. Schon jetzt werde mit gut 1000 Interessenten allein für dieses Jahr gerechnet. Unterstützt werde das Projekt zudem von der Stadt Izmir. Zenit und Danfoss haben sich überdies bereits zusammengeschlossen, um die Ausbildung von Fachpersonal gemeinsam voranzutreiben.

Bis zu diesem Samstag, dem 26. April, werden gut 16.000 Gäste auf der Messe erwartet, die die neuesten Errungenschaften von mehreren hundert Energieunternehmen, darunter auch einige Solarfirmen, in Augenschein nehmen möchten.

Bereits am 9. und 10. April wurde am Bosporus eine Fachkonferenz zum Thema augerichtet. Das Fazit der Experten: „Der türkische Solarmarkt bietet große Chancen, aber ist kein Ort für schnelle Geschäfte.“ Auf der PV Power Plants – Turkey Konferenz trafen sich rund 200 Industrieexperten, um über den status quo und die Zukunft der Solarenergie in der Türkei zu beraten.

Türkei hat höchstes Solarpotential in Europa

Die Bedingungen, so wurde deutlich, sind günstig: Steigende Preise für konventionelle Energien, eine großer Energiehunger, Einspeisetarife mit einem Standardpreis von 0,133 $/kWh und das höchste Solarpotenzial in Europa würden im Augenblick internationale Solarunternehmen in die Türkei locken, so die Publikation Solarpraxis. Entsprechend optimistisch zeigte sich auch der Präsident des türkischen Solarenergie-Industrieverbands GENSED, Sener Oktik. Ihm zufolge werde allein das Potenzial für Photovoltaik bei rund 500 GW veranschlagt. Es werde erwartet, dass bis zum Jahr 2023 rund sieben bis zehn GW Photovoltaik-Leistung installiert werden. Schon in der ersten Runde zur Lizenzvergabe im vergangenen Juni seien Anträge in der Größe von neun GW an Projekten, die mehr als ein MW umfassen, eingereicht worden. Damit sei der Deckel von 600 MW bei weitem überschritten.

Das Magazin weist jedoch darauf hin:

„Tatsächlich wurde jedoch noch keine einzige Lizenz für Projekte mit mehr als 1 MW Leistung genehmigt. Bisher liegt die insgesamt installierte PV-Leistung in der Türkei bei lediglich rund 12 MW. Treibende Kraft für die 100 bis 200 MW an neuer Photovoltaik-Kapazität, die in diesem Jahr installiert werden soll, sind die lizenzfreien Projekte unter 1 MW. Viele dieser Projekte zielen auf die Nutzung von Gewerbedächern zum Eigenverbrauch ab. Insgesamt wurden mehr als 357 MW an lizenzfreien Projekten beantragt.“

Bürokratie, Finanzierung, rechtlicher Rahmen

Auf der Konferenz stellte sich überdies heraus, dass auch die nicht-lizenzierten Solarprojekte verschiedene Bewerbungs- und Genehmigungsstufen auf lokaler und nationaler Ebene zu durchlaufen haben. Das Resümee vieler Redner war entsprechend: Im Allgemeinen sei die Bürokratie das Haupthindernis für eine schnellere Entwicklung des türkischen Photovoltaik-Marktes. Weitere Einschränkungen entstünden durch eine begrenzte Verfügbarkeit von Land für Freiflächenanlagen, da Solarparks nicht auf landwirtschaftlichen Nutzflächen errichtet werden dürften. Hinzu käme eine nicht selten schwierige Projektfinanzierung durch türkische Banken. Von fehlendem Knowhow und Erfahrung der Ausführenden ganz abgesehen.

Dass es jedoch allemal Sinn macht, diese Hürden zu stemmen, zeigt nicht zuletzt die Katastrophe von Fukushima und ihre fatalen Auswirkungen für Mensch und Natur.

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