Kurz vor der Heiligsprechung von Johannes Paul II.: Türkischer Papst-Attentäter Mehmet Ali Ağca zeigt keine Reue

Nur neun Jahre nach seinem Tod wird an diesem Sonntag Papst Johannes Paul II. heilig gesprochen. Millionen Pilger werden hierzu in Rom erwartet, um den polnischen Pontifex zu feiern. Den Türken Mehmet Ali Ağca dürfte das wenig bewegen. Der Mann, der 1981 versucht hat, Johannes Paul II. zu töten, zeigt bis heute keine Reue.

In einem Interview mit der italienischen Agentur ANSA erklärte Mehmet Ali Ağca, dass er in Anbetracht seines gescheiterten Attentats vor 33 Jahren nach wie vor „kein Bedauern“ verspüre. Noch immer ist er überzeugt: Sein Handeln war Teil eines „göttlichen Plans“.

Ich habe unbestreitbare Beweise gesehen, dass Gott am 13. Mai 1981 ein Wunder auf dem Petersplatz vollbrachte“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet den Attentäter. Ağca kam 2010 aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Sincan bei Ankara. Zehn Jahre, nachdem er in die Türkei ausgeliefert worden war. „Ich bin sehr glücklich, im Zentrum eines göttlichen Plans gestanden zu haben, der mich 30 höllische Jahre in Einzelhaft gekostet hat“, so Ağca, der sich auch mehr als drei Dekaden später nur vage zu seinen Motiven äußern will.

Dass das Ganze als Tat eines psychopathischen Einzelnen angesehen werden sollte, bestreitet er jedoch. „Es gibt einen unermesslichen Unterschied zwischen einem göttlichen Wunder, wie mein Attentat und einem psychopathischen, nicht zu rechtfertigenden Verbrechen.“ Ağca behauptete in der Vergangenheit, dass er der Messias und dazu ermächtigt sei die  „wahre Bibel“ zu schreiben und auf der gesamten Welt zu verteilen. Noch in italienischer Haft äußerte er zudem den Wunsch, Staatsbürger des Vatikans zu werden. Zwei Jahre vor dem Zwischenfall in Rom tötete er 1979 den Chef der türkischen Zeitung Milliyet, den Journalisten Abdi İpekçi. Seine Tat löste damals eine Welle von ungelösten Morden an Journalisten aus.

Papst Johannes Paul II. wurde bei dem Anschlag des Rechtsextremisten während einer Generalaudienz durch drei Kugeln getroffen. Eine davon verletzte ihn schwer. Sie zerstörte mehrere Dünndarmschlingen und trat am Ende nur knapp neben der Wirbelsäule wieder aus. Noch am Krankenbett vergab der Geistliche seinem Attentäter. Später besuchte er ihn sogar im Gefängnis.

Unterdessen laufen in diesen Stunden die letzten Vorbereitungen zur Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. und Johannes XXIII. In der Heiligen Stadt werden Gläubige aus der ganzen Welt erwartet. Papst Franziskus würdigte den Polen in einer Botschaft für das polnische Fernsehen:

„Johannes Paul II. hat Gesellschaft, Kultur und politische Systeme mit der Kraft eines Giganten umgepolt und für Christus geöffnet. Johannes XXIII. hat mit der Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils den Weg dafür geebnet, dass die christliche Botschaft in die Welt getragen werde.“

Im vergangenen Jahr erkannte Papst Franziskus das für eine Heiligsprechung notwendige Wunder von Karol Jozef Wojtyla an. Konkret geht es um die medizinisch nicht erklärbare Heilung einer Frau aus Costa Rica nach einer schweren Hirnverletzung.

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