Beleidigung von Erdoğan: Tweet bringt türkischen Journalisten ins Gefängnis

Weil er den türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan via Twitter beleidigt haben soll, muss ein türkischer Journalist nun für zehn Monate ins Gefängnis. Die vermeintliche Straftat liegt jedoch schon gut zwei Jahre zurück.

Das Strafgericht in Ankara verurteilte Önder Aytaç, ein bekannter Schriftsteller und Kolumnist für die Oppositionszeitung Taraf, am Montag zu einer zehnmonatigen Haftstrafe. Der gegen ihn erhobene Vorwurf: Er hat eine Person des öffentlichen Lebens, nämlich Premier Erdoğan, beleidigt.

Aytaç (@onderaytac) ist ein ehemaliger Polizeibeamter und  Teil der Gülen-Bewegung. Er war in den vergangenen Jahren einer der Wortführer gegen oppositionelle Politiker, Journalisten und Militärs, deren Unschuld mittlerweile erwiesen ist. Seine Strafe wurde für ein Jahr auf Bewährung ausgesetzt. Es sei jedoch unklar, ob er am Ende um eine Haft herumkommt oder sich die ganze Angelegenheit lediglich verzögert, so das Portal mashable.

Der Tweet, der Aytaç ins Fadenkreuz der türkischen Justiz brachte, wurde bereits 2012 veröffentlicht. Zu jener Zeit gab Erdoğan bekannt, dass er die Privatschulen schließen lassen wolle, die die Gülen-Bewegung auf der ganzen Welt betreibt. Mit Verweis auf eine Geschichte zum Thema schrieb er damals: „Schließen Sie sie, mein Meister :-)“ (ustam auf Türkisch) Die Phrase „mein Meister“ wird von Anhängern des Premiers verwendet. Am Ende des Wortes fügte Aytaç jedoch den Buchstaben k an. Doch genau jener Buchstabe hat den Journalisten nun in Schwierigkeiten gebracht. Aus Meister wurde so ein unflätiges „Verpiss dich!“

Das Kürzel „AMK“ steht für „AMINA KOYAYIM“ und bedeutet genau übersetzt: „Ich fi*ke dich in deine F*tze“.

Der Fall des Journalisten ist das jüngste Beispiel, wie die türkische Regierung die Internetfreiheit ihrer Bürger beschränken will. Erst im vergangenen Monat blockierten die Behörden für ganze zwei Wochen den Microblogging-Dienst (mehr hier). Nur eine Woche nach der Twitter-Sperre folgte der nächste Streich. Diesmal erwischte es YouTube. Trotz entsprechender Gerichtsurteile bleibt die Videoplattform bisher gesperrt (mehr hier).

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