Protest gegen Todesurteile: Türkische Demonstranten stürmen ägyptisches Konsulat

Die jüngsten Todesurteile gegen Muslimbrüder in Ägypten haben erneut zu Protesten vor dem ägyptischen Konsulat in Istanbul geführt. Diesmal soll einigen sogar in das Gebäude vorgedrungen sein.

Insgesamt 683 weitere Muslimbrüder wurden am Montag von der ägyptischen Justiz zum Tode verurteilt. Um ihren Protest kund zu tun, versammelten sich am Abend mehrere Hundert Demonstranten vor dem ägyptischen Konsulat in Istanbul.

Einige Demonstranten brachen in das Anwesen ein, so die türkische Nachrichtenagentur Cihan. Augenzeugen zufolge sollen insgesamt mehr als 1000 Menschen vor Ort gewesen sein. Fünf von ihnen seien auf die Mauer des Gebäudes geklettert. Zwei seien anschließend in den Garten gesprungen. Anschließend wurden sie von Sicherheitsleuten festgenommen. Andere warfen mit Steinen auf das Konsulat. Die türkische Polizei soll jedoch nicht eingeschritten sein.

Organisiert wurde der Protest von der Plattform der Solidarität, bestehend aus ägyptischen Bürgern und zahlreichen türkischen Nicht-Regierungsorganisationen. Unter den Verurteilten befindet sich auch Muhammad Badi’e, ein ägyptischer Hochschullehrer, Politiker und Tierarzt. Er ist das Oberhaupt der ägyptischen Muslimbruderschaft. Zur Last gelegt wird ihm Körperverletzung und Mord an Polizisten in Al-Adwa im vergangenen Jahr.

Sowohl Deutschland als auch die Türkei äußerten am Montag ihre Bedenken ob der jüngsten Urteile (mehr hier):  Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz haben Bundespräsident Gauck und sein Amtskollege Abdullah Gül die ägyptische Justiz scharf kritisiert.

Gauck sagte, dass Deutschland und die EU die Todesstrafe ablehnen. Die Justiz dürfe nicht Rache nehmen, sondern müsse die Vorgaben der Rechtsstaatlichkeit achten. Denn Ägypten befände sich aktuell in einem Transformationsprozess.

Güls Aussagen gingen ebenfalls in diese Richtung. „Derartige Entscheidungen sind inakzeptabel für das 21. Jahrhundert. Das ist schädlich für die Zukunft Ägyptens. Doch das Land braucht Frieden und wirtschaftlichen Aufbau“, zitiert World Bulletin Gül.

Im März wurden 529 Muslimbrüder zum Tode verurteilt. Am Montag wandelte ein ägyptisches Gericht 491 der Urteile in erschwerte lebenslange Haftstrafen um.

Anfang April hatten 529 Todesurteile gegen Anhänger der ägyptischen Muslimbrüder ebenfalls für Aufruhr in der Türkei gesorgt. Sozialdemokraten, Konservative und Kurdenpolitiker protestierten gegen das Vorgehen der Justiz (mehr hier).

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