Mahnwachen in Deutschland: Berliner Polizei musste erstmals Straßen sperren

Am Montagabend kam es in zahlreichen deutschen Städten erneut zu Mahnwachen für den Frieden in der Ukraine und gegen die US-Notenbank. Mittlerweile ist die Gruppe der teilnehmenden Orte auf über 30 angewachsen. In Berlin war der Zulauf so groß, dass die Polizei die Straße des 17. Juni absperren musste.

Die Bewegung wächst weiter: Waren es in der vergangenen Woche 26, gibt es nun mindestens 34 Mahnwachen in ganz Deutschland, in der Schweiz und in Österreich. So viele Veranstaltungen kann das Facebook-Portal „Mahnwachen in Deutschland“ mittlerweile verzeichnen. Es fasst zusammen, was sich am Montag auf unzähligen Straßen abgespielt hat und für die Zukunft geplant ist. Andere Seiten sprechen gar von 37 Städten.

Erneut folgten die Menschen dem „Aufruf zum friedlichen Widerstand“. Waren es in der Hauptstadt abermals geschätzt etliche Tausend, steht das Ganze in Städten wie Dortmund erst am Anfang.

„Das war doch wieder schön heute! Die Polizei musste sogar erstmalig die Strasse sperren!“, lautet die Rückmeldung eines Teilnehmers in Berlin. Die Bürger sind motiviert: „Weitermachen! Dann ist Straße des 17. Juni ab sofort jeden Montag gesperrt!“, so ein weiterer Kommentar. Im Netz finden sich zahlreiche Bilder und Videos von Menschen in ausgelassener Stimmung und diversen musikalischen Einlagen.

Detailliert schildert hingegen der Autor Michael Szameit seine Erlebnisse vor dem Brandenburger Tor. Sein Eindruck:

„Ich bin begeistert und sogar gerührt. Für mich hatte die Veranstaltung eher das Flair eines Happenings als das einer Kampf-Demo: friedlich, harmonisch, durchaus leidenschaftlich – leidenschaftlich bei absoluter Abwesenheit jedweder Form von Aggressivität. (…) Alle Redner distanzierten sich klar und unmissverständlich, mit der gebotenen Schärfe von antisemitischem, anderem rassistischem und rechtsextremem Gedankengut.“

Selbstverständlich habe es jedoch „harsche Kapitalismus-Kritik“ gegeben. Ob jedoch die Polizeipräsenz angemessen oder unverhältnismäßig war, könne er nicht beurteilen. Auf jeden Fall hätten die Beamten, die er ansprach, sehr freundlich und entspannt reagiert. Er stellt klar: „Als sie dann eine Straße sperrten, geschah das nicht gegen die Demonstranten, sondern für sie – um Platz für die Mahnwache zu schaffen.“ Wie viele andere Mahnwachen-Teilnehmer auch sei er nun gespannt auf das, was ein anwesendes ZDF-Team aus der Veranstaltung mache.

Aus Hamburg meldet sich Lucya K. zu Wort. In einer Nachricht beschreibt er die Atmosphäre der fünften Mahnwache in der Hansestadt. Es kommen Menschen zwischen acht und 80 Jahren – und es werden immer mehr. Sein bisheriger Gesamteindruck von den Zusammenkünften am Jungfernstieg: „Gekommen als Fremde – gegangen als Freund“ und noch konkreter:

„Meine Angst, die mich seit der ersten Mahnwache begleitet, dass niemandem der Frieden so wichtig ist sich dafür einen ruhigen Fernsehabend entgehen zu lassen, erweist sich auch dieses mal zum Glück als unbegründet.(…) Was von außen scheint wie ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus jung und alt, schick und alternativ, ausgelassen und still, erweist sich bei näherer Betrachtung als Querschnitt durch die Gesellschaft, zusammengekommen aufgrund einer Vision, die vielen lange schon im Herzen brennt und mit der wir alle uns schon viel zu lange alleine gewähnt haben: FRIEDEN.“

Sein Eindruck von den anwesenden Rednern ist entsprechend:

„Es entsteht für mich der Eindruck, dass viele nur darauf gewartet haben, dass dieser Stein endlich ins Rollen kommt, dass viele es Leid sind allein gegen Windmühlen zu kämpfen, dass viele es Leid sind ihre Meinung hinter verschlossenen Türen kundtun zu müssen, weil sie nicht der vom Mainstream gemachten Meinung entspricht. (…) Was mein Herz jedoch am meisten gefreut hat ist, hier und da mitzubekommen wie fremde Menschen in den Pausen beginnen miteinander zu reden.“

Andernorts sind die Zusammenkünfte noch weitaus bescheidener. Am Anfang stehen etwa die Bemühungen in Dortmund. Auf Nachfrage der Deutschen Wirtschafts Nachrichten gibt Initiator Wodrow Wilson die Zahl der Anwesenden mit um die 150 an. Er bleibt jedoch optimistisch: „Mal sehen, wie sich das entwickelt.“ In Dortmund sei man gerade dabei, einiges umzustrukturieren. Die meisten Veranstaltungen würden noch immer erklären, warum man weg vom Geld müsse, wenn man das uferlose Wachstum stoppen wolle. „Den meisten Menschen ist ja aber mittlerweile klar, wohin Geld immer fließt und das genau diese Funktion im Finanzsystem und weltweit immer wieder zu Feinden macht. Die beste Lösung, die ich sehe, ist einfach – echte Werte wie Zeit, Ideen und Kreativität nicht mehr in die Dienste des Kapitalismus stellen.“ Seine Empfehlung:

„Netzwerke wie foodsharing oder solidarische Landwirtschaft, open source und creative commons Ideen kann man Stück für Stück unterstützen. Lokal einkaufen Tauschen schenken Helfen im Bekanntenkreis das ist der Antikapitalistische Widerstand der auch hier wächst und wächst.“

Getroffen haben sich die Menschen am Montagabend unter anderem auch in Bremen, Bremerhaven, Frankfurt am Main, Gronau, Herford, Wilhelmshaven und Ingolstadt. Auch in Zürich und Wien gab es erste Mahnwachen. Ein weiteres Treffen ist für diesen Dienstag in Nürnberg geplant.

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