Machtkampf: Erdoğan will Auslieferung von Gülen erreichen

Der seit Monaten andauernde Machtkampf zwischen dem türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan geht in die nächsten Runde. Der AKP-Politiker versucht nun die Auslieferung seines Gegners Fethullah Gülen zu erwirken. Nachdem die Türkei zahlreichen US-Auslieferungsgesuchen nachgekommen sei, erwarte man nun selbiges von seinem NATO-Partner.

In einem Interview mit dem US-amerikanischen Fernsehmoderator und Journalist Charlie Rose machte der türkische Premier Erdoğan die bislang wohl eindeutigste Aufforderung in Richtung der Vereinigten Staaten, seinen Rivalen Gülen an die Türkei auszuliefern.

Der türkische Premier hoffe, dass die USA Gülen „zumindest vertreiben“ würden. „Diese Elemente, die die nationale Sicherheit der Türkei bedrohen, können in anderen Ländern nicht akzeptiert werden“, zitiert ihn die Financial Times. Was sie in der Türkei anrichteten, könnten diese auch ihren Gastgebern antun.

Der Prediger lebt bereits seit 1997 im Bundesstaat Pennsylvania im selbstgewählten Exil. Zuvor hatten ihm die türkischen Behörden islamische Umtriebe vorgeworfen. Jetzt werden Gülens Anhänger vom Premier beschuldigt, Telefonate abgehört zu haben. Die Aufnahmen sollen dann als Teil eines seiner Ansicht nach inszenierten Korruptionsskandals veröffentlicht worden sein (mehr hier). In Folge dessen kam es in den vergangenen Monaten zu massenhaften Versetzungen innerhalb der türkischen Polizei und Justiz. Auch die Banken und TV-Anstalten waren betroffen (mehr hier).

Ob der TV-Ankündigung des Premiers bereits ein offizieller Auslieferungsantrag gefolgt ist, ist derzeit noch unklar. Von Gülen selbst wurden die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen.

Warum Gülen aber offenkundig für die Amerikaner interessant ist, berichten die Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Seine Organisation ist extrem pro-amerikanisch organisiert. Die „milde“ Form des Islam der Gülens, die sich an westliche Gebräuche halten und auch die Arbeitsprozesse in der Industrie nicht durch zu häufige Gebets-Abwesenheiten stören, kommen den US-Konzernen ebenso entgegen wie die Vernetzung der Bewegung in zahlreichen rohstoffreichen Staaten. Bis heute ist die Finanzierung der Bewegung völlig unklar. Der private US-Geheimdienst Stratfor äußert sich in mehreren Depeschen durchaus wohlwollend über die Bewegung. Es ist unwahrscheinlich, dass die Amerikaner einen ausgewachsenen Islamisten in Pennsylvania akzeptieren würden. Die Gülen-Spitze unterhält beste Beziehungen zu hochrangigen Politikern im Westen. Über die Frage, ob die Bewegung mit einem der zahlreichen US-Dienste zusammenarbeitet, gibt es keine Erkenntnisse.

Gülen unterhält unter anderem ein weit verzweigtes Medien-Imperium, welches auch in in Deutschland mit der Zeitung Zaman präsent ist. Die Gülen-Medien sind kommerziell orientiert, können aber wegen überschaubarer Werbeerlöse im Grunde nur finanziert werden, weil es „Gönner“ gibt. So werde die Bewegung in Deutschland von verschiedenen „Unternehmen“ gefördert, haben den Deutschen Wirtschafts Nachrichten Kenner bestätigt. Welche Unternehmen dies seien und aus welchem Grund sie die Bewegung fördern, darüber gewahrt die Bewegung Stillschweigen.

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