Musikvideo von Shakira und Rihanna: Türkische Medienaufsicht straft Sender für Ausstrahlug ab

Der Oberste Rat für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK) macht auch vor zwei Superstars der Musikszene nicht Halt. Ins Visier der konservativen Medienaufsicht sind nun die beiden Sängerinnen Shakira und Rihanna geraten. Der Vorwurf: Ihr gemeinsames Musikvideo evoziere Homosexualität.

Die türkische Medienaufsicht RTÜK hat Show TV und der Musiksender Dream TV für die Ausstrahlung eines Musikvideos abgestraft. In ihrem Clip zum gemeinsamen Song „Can’t Remember to Forget you“ würden Shakira und Rihanna „eine besondere Nähe“ zeigen. Hinzu käme „erotischer Tanz“. Nach Ansicht des Watchdogs werde hier „Homosexualität heraufbeschwört“.

In seinem Urteil beschreibt der RTÜK den Inhalt des Videos mit aufwendigen Details. Gleich mehrfach werde wiederholt, dass die Szenen „auf einem Bett“ stattfinden würden. Diese Bildung, so die dort herrschende Auffassung, würden ein negatives Beispiel für Kinder abgeben. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

„In besagtem Musikvideo wird Shakira liegend auf einem Bett gezeigt. Die Hände liegen zwischen ihren Beinen. Die beiden Künstlerinnen sind im selben Bett und halbnackt. Bei ihrer Kuschelei im Bett tragen sie lediglich sehr aufschlussreiche Kleidung“, so der TV-Rat. Die beiden Damen, so heißt es weiter, würden „eine besondere Nähe“ zueinander zeigen, wenn sie sich an den jeweiligen Rücken der anderen lehnen würden. „Es sollte berücksichtigt werden, dass der erotische Tanz und die Bewegungen im Clip Bilder sind, die  Homosexualität hervorrufen und als Vorbild für Kinder und Jugendliche dienen könnten“, so der RTÜK abschließend.

Erst Ende vergangenen Jahres spielte der RTÜK den Sittenwächter. Damals ging es um die türkische Version der US-Erfolgsserie „Desperate Housewives“. Die Medienaufsicht strafte „Umutsuz Ev Kadınları“ ab, weil es in einer Szene zu sexuellen Anspielungen gekommen sein soll. Auch hier wurde argumentiert, das Ganze sei „schädlich für Kinder“ und zudem eine „unpassende Sexualerziehung“ (mehr hier).

Neu ist diese Argumentation für alles, was nicht ins Bild des RTÜK passt, übrigens nicht. Ebenfalls tief in die Tasche greifen musste erst vor kurzem ein türkischer Privatsender, der die Halloween-Episode „Treehouse of Horror XXII“ der beliebten US-Serie „Die Simpsons“ ausgestrahlt hatte (mehr hier). In die moralischen Schranken verwiesen wurden auch die Drehbuchautoren einer türkischen Serie. So mussten die Protagonisten Zeynep und Ozan aus der beliebten türkischen TV-Serie „1 Erkek 1 Kadın” heiraten, weil das Konzept der wilden Ehe nicht in das Bild der Medienaufsicht passte (mehr hier).

Lange dürfte sich die Argumentation „Schutz der Kinder“ jedoch nicht mehr aufrecht erhalten lassen. Denn der türkische Nachwuchs verbringt mittlerweile mehr Zeit mit seinen Mobiltelefonen als vor den Fernsehgeräten. Das hat ausgerechnet eine vom Obersten Rat für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK) in Auftrag gegebene Untersuchung gezeigt, in der eine Verschiebung weg vom TV in Richtung mobiler Kommunikation und Internet bei den jungen Leuten deutlich wurde (mehr hier).

Mehr zum Thema:

RTÜK: Simpsons-Strafe soll Kinder, nicht Gott schützen
Nah am Geschehen: RTÜK straft Berichterstattung über Proteste ab
Sexuelle Anspielung: RTÜK straft türkische „Desperate Housewives“ ab

 

 

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.