Erdoğan-Kritiker wirft Gauck USA-Hörigkeit und Opportunismus vor

Bundespräsident Joachim Gauck ist in der Türkei auch bei Erdoğan-Gegnern unbeliebt. Er wird von vielen als Opportunist eingeschätzt. Seinen Worten von Demokratie und Freiheit wird kein Glauben geschenkt. Ausschlaggebend ist seine Vergangenheit und sein passives Verhalten während der NSA-Affäre.

Der türkische Journalist Atilla Coşkun hält nicht viel vom türkischen Premier Erdoğan. Doch auch Bundespräsident Gauck gehört für Coşkun in seine Liste der Unbeliebten.

In einem Artikel auf der Webseite ODA TV schreibt er, dass die türkischen und deutschen Medien vieles gemeinsam hätten. Auch die deutschen Massenmedien würden oftmals in dieselbe Richtung berichten. Das sei nach Erdoğans ironisch-kritischer Rede gegen Gauck erneut deutlich geworden. Die deutschen Medien haben ihren Bundespräsidenten kritiklos in Schutz genommen. Dabei sei Gauck alles andere als schützenswert. Doch auch sein Erfolg beruhe letztendlich auf der einseitigen Berichterstattung der Medien.

So sei Gauck im Jahr 2012 als Mann der „Freiheit“ gefeiert worden. Die Urteilslosigkeit der deutschen Öffentlichkeit sei offenkundig gewesen. Dabei sei Gauck ein Opportunist und zugleich ein Neoliberaler.

Im Jahr 1989 habe sich das gezeigt, als er den Forderungen der DDR-Bürger nach einem „freiheitlichen Sozialismus“ weitgehend gleichgültig gegenüberstand. Erst als das Schicksal der DDR besiegelt war, spielte sich Gauck in Szene, so Coşkun. Nach der Wende seien es nicht die wirklichen SED-Gegner gewesen, die die Lorbeeren geerntet haben, sondern der Wendehals Gauck.

Doch Coşkuns Vorwürfe gehen noch weiter. Die Ex-Bundespräsidenten Horst Köhler und Christian Wulff mussten seiner Ansicht nach ihre Posten räumen, weil sie nicht ins NATO-Schema passten. Insbesondere Köhler habe mit seinen Aussagen im Jahr 2010 den Afghanistan-Einsatz der NATO in ein schlechtes Licht gerückt. Doch er habe die Wahrheit gesprochen. Bundespräsident Gauck hingegen sei NATO-konform und einer, der die Wünsche der USA erfülle. Einer, der nicht aus der Reihe tanze. Auch das sei im Zuge der NSA-Affäre deutlich geworden. Der „freiheitsliebende“ Gauck habe sich damals sehr kleinlaut gegeben.

Deshalb habe er nicht das Recht, sich in der Türkei als Verfechter von Demokratie und Freiheit aufzuspielen, so Coşkun. Er sei unglaubwürdig – auch wenn seine Kritik unter Umständen korrekt sein könnte.

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