OECD: Wachstumsprognose für die Türkei deutlich gestutzt

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Wachstumsprognose für die Türkei von 3,8 auf 2,8 Prozent nach unten korrigiert. Als Grund für diese Entscheidung nannte sie anhaltende politische Spannungen sowie die Wende der US-Notenbank-Politik, die zu höheren Zinsen und Kapitalabfluss führte.

Die in Paris ansässige OECD prognostiziert, dass das türkische Wirtschaftswachstum, welches sich bereits 2013 verlangsamt hat, auch bis Mitte 2015 verhalten ausfallen wird. So werde man in diesem Jahr an der Drei-Prozent-Marke und um vier Prozent im Jahr 2015  liegen. Das Hauptrisiko sei der Vertrauensverlust in die globalen und nationalen Märkte aufgrund der angespannten politischen Situation und das unsichere globale monetäre Umfeld.

Weitere Finanzmarktturbulenzen während der prospektiven Normalisierung der US-Geldpolitik und die Intensivierung der internen politischen Spannungen sind zwei große Risiken“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet die OECD. Politische Spannungen hatten das Vertrauen gebeutelt, Kapitalabfluss provoziert und die Zentralbank dazu gezwungen, die Zinsen im Jahr 2014 deutlich zu erhöhen. Daher sei der Erhalt des nationalen und internationalen Vertrauens von entscheidender Bedeutung (mehr hier). Sensibelste Punkte der Türkei seien nach wie vor ihre beiden Achillesfersen: Die hohe Inflation und das hohe Leistungsbilanzdefizit. Bei der Bewältigung des Letzteren gebe es jedoch leichte Fortschritte.

Die Organisation schlug vor,die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Unternehmen im formellen Sektor durch die Umsetzung der im 10. Entwicklungsplan vorgesehenen Gesetzesänderungen“ anzugehen. Sie weist außerdem darauf hin, dass es auch andere Maßnahmen gebe, die ausländischen Direktinvestitionen voranzutreiben und die Abhängigkeit von Auslandsschulden zu senken. So mahnt sie unter anderem an, dass die makroökonomische Politik der Türkei transparent und vorhersehbar bleiben sollte, um das Vertrauen während der Wahlperiode im August 2014 und während der Präsidentschaftswahlen im Juni 2015 aufrechtzuerhalten.

Daneben fürchtet die Organisation, dass die Türkei negativ durch weitere Spannungen zwischen Russland und der Ukraine, die zusammen für ein Viertel der Exporte der Türkei verantwortlich zeichnen, getroffen werden könnte (mehr hier).

Insgesamt stünden der OECD zufolge die Industrieländer derzeit vor einem Aufschwung. In ihrem aktuellen Wirtschaftsausblick wird vor allem ein optimistischer Blick auf die Eurozone geworfen. Die Wachstumsprognose wurde leicht angehoben: Auf 1,2 Prozent für das Jahr 2014 und 1,7 Prozent für 2015. Schwächer fällt hingegen der Beitrag der Schwellenländer zur gesamtwirtschaftlichen Dynamik aus.

Alles in Allem sei zwar eine deutliche Ankurbelung der Investitionen notwendig, so die OECD. Aber in Gänze werde mit einem stärkeren Wachstum für die Weltwirtschaft gerechnet, auch wenn die Risiken gerade in der Eurozone und den Schwellenländern weiter hoch bleiben würden.

Mehr zum Thema:

Trotz politischer Krise: US-Ökonom erwartet Wirtschaftswachstum für Türkei
Türkei am Scheideweg: Ohne Innovation kein nachhaltiges Wachstum
FED: Türkei hat größte Verwundbarkeit unter den Schwellenländern

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.