Tausende europäische Jihadisten auf der Schwarzen Liste von Ankara

Die Türkei gilt für die meisten europäischen Jihadisten als Transitland auf ihrem Weg zum Bürgerkriegsland Syrien. Europa und Ankara weisen sich die Schuld an dieser Situation gegenseitig zu. Die Zusammenarbeit gedeiht langsam. Dabei haben die türkischen Behörden bereits gut 4000 Verdächtige auf dem Schirm.

Europäische „Jiahadisten“ sorgen für Spannungen zwischen Ankara und den westlichen Verbündeten. Sie reisen durch die Türkei, um in Syrien zu kämpfen. Wer ihnen effektiv Einhalt gebieten soll, darüber scheiden sich jedoch die Geister. Die Türkei packt das Problem derzeit handfest an. Sie errichtet nicht nur Mauern im türkisch-syrischen Grenzgebiet, sie führt auch eine Liste mit unerwünschten Personen.

Amerikanische Reisende auf ihrem Weg nach Syrien stellen für die US-Behörden eine große Herausforderung dar, so kürzlich der FBI-Direktor James B. Comey. Die Europäer ließen die Jihadisten in die Türkei reisen und verlangten dann von der Türkei, ihre Weiterreise zu verhindern, beanstandet hingegen Handelsminister Hayati Yazıcı. „Warum lassen sie sie abreisen? Wenn sie wissen, dass sie nach Syrien reisen, sollte man sie von Beginn an von der Reise abhalten“, zitiert die Hürriyet Daily News Yazici weiter.

Doch genau jene Forderung sei aus Sicht der europäischen Botschafter unmöglich einzuhalten. Schließlich würden potentielle Terroristen niemandem erzählen, dass sie unterwegs nach Syrien seien, um zu kämpfen. Oft reisten sie in ein anderes Land, um dann über die Türkei nach Syrien zu gelangen (mehr hier).

Kaum Kultur der Zusammenarbeit zwischen Behörden

Insgesamt werde zu wenig getan, mahnt die türkische Diplomatie. In einem Fall habe sich die Mutter eines Kämpfers in Frankreich an Turkish Airlines gewandt, um den Sohn an der Reise in die Türkei zu hindern. Nach einem Verhör sei der Mann allerdings wieder freigelassen worden. In einem anderen Fall hätten deutsche Behörden ihren türkischen Kollegen von einem Lastwagen in der Nähe einer deutschen Stadt berichtet, der mit Waffen für Syrien beladen gewesen sein soll. „Wir haben den Lastwagen in der Türkei gestoppt. Warum werden sie nicht in Europa angehalten?“, fragt die türkische Seite.

Einige europäische Beamte seien der Meinung, die Türkei drücke in einigen Fällen ein Auge zu. Offenbar habe man die Hoffnung, dies würde zum schnellen Abgang Bashar al–Assads führen, so das Blatt weiter. Allerdings sei dies nicht mehr die einschlägige Meinung. Dies sei in der Vergangenheit der Fall gewesen, so ein europäischer Diplomat in Ankara. Die meisten Probleme rührten vielmehr daher, dass in einigen Institutionen der Türkei keine Kultur der Zusammenarbeit mit ausländischen Behörden herrsche, sagt ein anderer (mehr hier).

4000 Jihadisten dürfen nicht in die Türkei reisen

Türkische Beamte stemmen sich gegen die Behauptung, die Türkei verschließe ihre Augen vor Jihadisten an der türkischen Grenze. Ihnen zufolge stünden über 4000 verdächtige radikale Islamisten aus Europa auf der Schwarzen Liste der Regierung. Das heißt, sie dürfen nicht in die Türkei einreisen. Über 500 Jihadisten seien bereits ausgewiesen worden. Obendrein wird derzeit der Mauerbau an der türkisch-syrischen Grenze massiv vorangetrieben (mehr hier).

Laut europäischen Gesandten in Ankara, sei die Zusammenarbeit nach anfänglichen Schwierigkeiten auf dem Weg der Besserung (mehr hier). Gilles de Kerchove, Anti-Terror-Koordinator der EU, traf sich kürzlich mit den türkischen Ministern der Justiz und des Innern, was als Zeichen einer engeren Zusammenarbeit gewertet werden kann.

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