Better Life Index: Türken sind unglücklich und arbeiten zu lange

Die Lebensbedingungen der türkischen Bevölkerung haben sich in jüngster Zeit nicht verbessert. Nach wie vor arbeiten Frauen und Männer im OECD-Vergleich hierzulande am längsten. Obendrein sind sie auch die am wenigsten glückliche Nation.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat erneut eine Untersuchung der Lebensqualität in ihren Mitgliedsländern durchgeführt. Die Situation für die türkische Bevölkerung hat sich kaum verändert. Nach wie vor verbringen sie die meisten Stunden bei der Arbeit. Die Türken gelten weltweit als die am wenigsten glückliche Industrienation.

Dem in dieser Woche erschienen Better Life Index zufolge, liegt die Türkei hinsichtlich der vorherrschenden Lebenszufriedenheit am Ende des 36 Industrienationen umfassenden Rankings. Der Hauptgrund für diesen Umstand sei das schlechte Abschneiden des Landes bei den so genannten Work-Life-Balance-Indizes. So verbringen die Türken im Schnitt 1855 Stunden im Jahr auf der Arbeit. Das sind knapp 100 Stunden mehr als der OECD-Durchschnitt von 1765 Stunden. Nach Angaben der OECD würden in der Türkei 43 Prozent der Angestellten sehr lange arbeiten. Betroffen seien hier 47 Prozent der Männer und 33 Prozent der Frauen. Das sei mit Abstand der höchste Anteil im Gesamtvergleich. Der OECD-Durchschnitt lag hier bei neun Prozent. Das Problem der zu langen Arbeitszeiten bestünde bereits seit Jahrzehnten. Damit einher gingen auch mehr Arbeitsunfälle.

Ein weiterer kritischer Faktor ist das Gehalt. Die Türken würden der OECD zufolge viel weniger als der OECD-Durchschnitt pro Jahr verdienen. Hier läge der durchschnittliche Jahresverdienst bei 17.460 Dollar. Im OECD-Durchschnitt seien es 41.010 Dollar. Das durchschnittliche Haushaltseinkommen pro Kopf läge bei 23.938 Dollar. Die Schere ginge zudem weitauseinander. Die oberen 20 Prozent der türkischen Bevölkerung verdienten demnach im Schnitt 23.035 Dollar pro Jahr, während die unteren 20 Prozent von 7.334 Dollar leben müssten. 49 Prozent der Menschen im Alter von 15 bis 64 in der Türkei haben eine bezahlte Arbeit. Auch hier liegt das Land unter dem Schnitt von 65 Prozent.

Die These, dass lange Arbeitszeiten die Gesundheit und Arbeitssicherheit beeinträchtigen, scheint sich in der Türkei voll zu bestätigen. So starben allein in den ersten drei Monaten des Jahres 2014 insgesamt 276 Arbeiter bei Arbeitsunfällen. Ein weiterer wesentlicher Faktor der Beschäftigungsqualität sei der OECD zufolge die Arbeitsplatzsicherheit. Demnach seien die türkischen Beschäftigten mit einer 7,8 -Prozent-Wahrscheinlichkeit ihren Arbeitsplatz zu verlieren konfrontiert. Auch hier liegt man deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 5,3 Prozent. Insgesamt würden nur relativ wenige Arbeitnehmer von der sozialen Sicherheit in der Türkei profitieren.

Insgesamt seien die Türken also deutlich unzufriedener mit ihrem Leben als die durchschnittlichen OECD-Bürger. Nur 61 Prozent der Türken sagen, dass sie mehr positive Erfahrungen an einem durchschnittlichen Tag haben als negative. Auch diese Zahl ist viel niedriger als der OECD-Durchschnitt von 76 Prozent.

Untersucht wurde auch das Bildungsniveau und die Beteiligung von Frauen in der Bildung: Laut dem OECD-Bericht haben 32 Prozent der Erwachsenen im Alter von 25 bis 64 Jahren derzeit High-School-Abschluss erworben. Dieser Wert ist viel niedriger als der OECD-Durchschnitt von 75 Prozent. Dies war auch die niedrigste Rate unter den OECD- Ländern. 36 Prozent der Männer haben erfolgreich eine Hochschule absolviert, verglichen mit 27 Prozent der Frauen. Ein Umstand, der nach Ansicht der Verfasser unbedingt geändert werden müsse. Zu wünschen übrig lasse auch die Qualität des Bildungssystems.  Der durchschnittliche Student erreicht in Sachen Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften 462 Punkte. Der Pisa-Schnitt innerhalb der OECD beträgt 497.

Auch die Lebenserwartung liegt mit 75 Jahren ganze fünf Jahre unter dem Durchschnitt. Die Lebenserwartung der türkischen Frauen ist 77 Jahre und 72 für Männer.

Insgesamt liegt Australien an der Spitze der Liste, gefolgt von Norwegen und Schweden, woe die zweit- und dritt-glücklichsten Mitglieder leben. Befragt wurden mehr als 60.000 Personen weltweit. Gewertet werden die Länder nach insgesamt elf Kriterien.

Hier geht es zum vollständigen Bericht.

Mehr zum Thema:

OECD „Better Life Index“: Lebensqualität in der Türkei am schlechtesten
OECD Report: Türken haben die niedrigste Lebenserwartung
OECD-Vergleich: Die Türken arbeiten am längsten

 

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.