Zunehmende Spannungen in der Türkei: Heim für syrische Flüchtlinge in Brand gesteckt

In der türkischen Hauptstadt Ankara ist es zu einem fremdenfeindlichen Angriff gekommen. Im Stadtteil Altındağ zündeten Einheimische am Mittwochabend ein Gebäude an, in dem syrische Flüchtlinge untergebracht waren. Zuvor soll ein türkischer Passant vor dem Haus geschlagen worden sein.

Das Feuer in der Flüchtlingsunterkunft forderte zahlreiche Verletzte. Dazu kommt erheblicher Sachschaden. Die Polizei konnte einige Einheimische, die an der Attacke beteiligt waren, festnehmen. Der Vorfall zeigt die wachsenden Spannungen zwischen den syrischen Flüchtlingen in den wichtigsten Städten der Türkei und Einheimische, die in den zentralen Vierteln leben.

Zunächst sei ein heftiger Kampf zwischen einer Gruppe von Anwohnern und syrischen Flüchtlingen ausgebrochen. Zuvor gab es Gerüchte, dass es zu Schlägen vor dem Gebäude gekommen sei. Die wütende Menge soll zunächst mit Steinen in Richtung des drei-geschossigen Wohnhauses geworfen haben. Darauf hin sei bereits die Bereitschaftspolizei angerückt, so die türkische Zeitung Hürriyet.

Nach dem Eingriff der Beamten habe sich die Menge jedoch nicht zerstreut, sondern stattdessen wieder gesammelt. Nun wurden brennende Materialien in das Gebäude geworfen, die einen Brand im zweiten Stock auslösten. Ein Teil der Gruppe soll außerdem versucht haben, die Feuerwehr zu blockieren. Erst, nachdem die Polizei erneut einschritt, habe das Feuer gelöscht werden können, so das Blatt weiter. Unter den Verletzten sollen sich auch einige Polizisten befunden haben, so die Nachrichtenagentur Doğan. Nun hat die Polizei eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet.

Die Türkei pflegt seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien eine Politik der offenen Tür. Die Folge: Die Flüchtlingslager sind zum Bersten gefüllt. Zunehmend versuchen die Menschen außerhalb der Camps unterzukommen (mehr hier). Dort versuchen sie günstigen Wohnraum zu ergattern oder lassen sich in leerstehenden Gebäuden nieder. Vielerorts nehmen sie die Dinge selbst in die Hand, um ihre Situation zu verbessern (mehr hier). Andererseits verlassen sie aus Angst vor Übergriffen die Städte (mehr hier).

Anlässlich der Türkei-Visite von Bundespräsident Joachim Gauck hat sich die SPD-Politikerin und Staatsministerin für Integration, Aydan Özoğuz, für eine weitere Aufnahme von syrischen Flüchtlingen in Deutschland ausgesprochen. Im Gespräch mit der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu machte Özoğuz deutlich, dass die Bundesrepublik ihre Hilfen für die Syrer intensivieren müsse. Auch eine Erhöhung der Finanzhilfen sollte in Erwägung gezogen werden. „Wir haben zugesagt, 10.000 syrische Flüchtlinge nach Deutschland zu bringen. Bisher sind es aber nicht einmal 5000“, zitiert Turkish Press die Ministerin. Bislang seien erst sechs Millionen Dollar an Ankara geflossen. Allerdings habe Deutschland auch andere Länder, die syrische Flüchtlinge beherbergen, mit etwa 750 Millionen Euro unterstützt. Die Türkei hat eigenen Angaben zufolge für die Flüchtlingshilfe seit 2011 bereits 2,5 Milliarden Dollar aufgewandt (mehr hier).

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