Energie-Knowhow: Türkei sucht sich Hilfe in Norwegen

Die staatliche türkische Ölgesellschaft TPAO will offenbar den norwegischen Ölkonzern Statoil für eine Partnerschaft gewinnen. Im Blick haben die Türkei dabei die Tiefsee-Ölförderung sowie Produktionsprojekte im Schwarzen Meer und Mittelmeer.

Eine Gruppe von TPAO-Vertretern unter der Leitung von Generalmanager Besim Sisman soll sich bereits mit einem Team der norwegischen Statoil getroffen haben. Mit dabei gewesen sein soll auch Geir Westgaard, Vize-Präsident für Global Business Strategie und Entwicklung, sowie Demet Derbil, Statoils Generalmanager in Ankara.

Hintergrund des Gesprächs ist einmal mehr die hohe Abhängigkeit der Türkei von ausländischer Energie. Um eine höhere Diversifikation zu erreichen, möchte das Land seine inländische Produktion von Erdöl und Erdgas ankurbeln. Diese deckt derzeit nur etwa sechs Prozent des gesamten Energieverbrauchs, so das Nachrichtenportal Worldbulletin. Durch eine Steigerung der seismischen und Explorationsaktivitäten soll dieser Anteil künftig nach oben schnellen.

Dem Blatt zufolge erwägt die türkische TPAO eine Ausweitung ihrer Bemühungen in der Tiefsee-Exploration. Auf diese Weise hofft man, neue Quellen zu entdecken und sich diese zu erschließen. Das Interesse des Unternehmens für Tiefseeexplorationen sei aufgekommen, da die Produktion an Land mittlerweile nicht mehr in der Lage sei, die Energienachfrage der Nation zu decken und in Folge zu immer weiteren Energieimporten führt.

Statoil und die TPAO sollen nun über verschiedene Möglichkeiten einer Partnerschaft gesprochen haben, einschließlich der Exploration im Schwarzen Meer und im Mittelmeer. Gerade in der Tiefsee bringt Statoil umfangreiche Erfahrungen und Know-how mit.

Bei einem Staatsbesuch in Oslo Anfang Mai bekräftigte der türkische Energieminister nun noch einmal den Willen der Türkei zur Kooperation. Außerdem wolle man mit Norwegen auch auf dem aserbaidschanischen Schah Denis-Feld zusammenarbeiten. Statoil hält hier immerhin 25,5 Prozent, Türkiye Petrolleri gehören derzeit neun Prozent. Vorstellbar ist für die Türkei auch eine Zusammenarbeit bei der Trans Adriatic Pipeline (TAP). Hier halten die Norweger ebenfalls 20 Prozent. Im Zuge seiner Visite in Norwegen erklärte Yildiz den Statoil-Vertretern zudem, dass die Türkei einen Statoil-Export von verflüssigtem Erdgas in die Türkei wünscht. Im Gespräch ist ein Volumen von bis zu sechs Milliarden Kubikmeter.

Aufgrund der Krim-Krise gelten sowohl die Türkei als auch Norwegen derzeit als mögliche Ausweichoptionen Europas, um die eigene Energieversorgung sicherzustellen (mehr hier). Die Sorge wächst, dass die Spannungen dazu führen könnten, dass die Erdgas-Schotten der Pipelines durch die Ukraine gen Europa dicht gemacht werden könnten (mehr hier). Die Türkei wird als zuverlässige alternative EnergieRoute für Pipelines betrachtet, die Ressourcen vom kaspischen und nahöstlichen Raum nach Europa transportieren sollen. Norwegen hingegen gilt als zuverlässiger Lieferant von Erdgas und Öl, die aus ihren Offshore-Bohrungen gen Kontinent fließen.

Statoil ist ein norwegisches multinationales Öl-und Gasunternehmen mit Aktivitäten in 36 Ländern und 23.000 Mitarbeitern. Das Unternehmen gilt als die weltweit elftgrößte Öl– und Gasgesellschaft und als sechsundzwanzig größtes Unternehmen nach Profit in der Welt. Die norwegische Regierung hält 67 Prozent der Aktien des Unternehmens. Die Beteiligung wird vom norwegischen Ministerium für Erdöl und Energie verwaltet.

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