Wunsch aus Aserbaidschan: Die Türkei muss zurück zum Eurovision Song Contest

Am 10. Mai tritt eine junge Dame mit viel Herzblut auf die Bühne in Kopenhagen. Die erst 20-jährige Dilara Kazimova startet für Aserbaidschan beim diesjährigen Eurovision Song Contest. Auch die junge Sängerin hat die Türkei nicht vergessen. So schnell wie möglich möchte sie das Land wieder im Wettbewerb sehen. Bis es soweit ist, schickt sie ihren Gruß mit einer türkischen Version von „Start a Fire“.

An diesem Samstag wird es in Dänemark ernst. Die Musikwelt steht ganz im Zeichen des 59. Eurovision Song Contest. Die Finalteilnehmer und die Startplätze stehen. Doch auch in diesem Jahr ist ein Land nicht dabei: Die Türkei. Auf ihre Kosten kommen die türkischen Zuschauer dennoch. Wie schon 2013, so winkt auch in diesem Jahr ein Gruß aus Aserbaidschan. Wie schon ihr Vorgänger Farid Mammadov 2013, will auch Dilara Kazimova als verbindende Künstlerin auftreten. Ihren Song „Start a Fire“ hat die junge Frau deshalb auch in türkischer Sprache eingesungen.

Am großen Finalabend in Kopenhagen muss die 20-Jährige früh zeigen, was sie kann. Der Druck ist hoch. Fast hätte Farid Mammadov in Malmö den Sieg in die Heimat getragen. Mit ihrer gewaltigen Ballade geht sie jetzt auf Startposition drei ins Rennen.

Warum sie den Weg ihres Vorgängers eingeschlagen und ihren Titel ins Türkische getragen hat, ist für die Sängerin im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten eine klare Sache:

„Ich habe viele Fans in der Türkei und ich liebe dieses Land. Ich bin sehr traurig, dass die Türkei nicht beim Eurovision ist. Dem Wettbewerb fehlt das. Ich möchte mein Lied und seine Botschaft mit so vielen Menschen wie möglich teilen, genau deshalb singe ich ihn auch auf Türkisch.

Gern würde sie in Zukunft wieder neue Talente aus der Türkei im Wettbewerb sehen. Sie hofft inständig, dass das Land „so schnell wie möglich“ wieder auf die Eurovision-Bühne zurückkehren werde.

Beide Versionen des Stückes aus der Feder des schwedischen Komponisten- und Autorentrios Johan Kronlund, Alessandra Günthardt sowie Stefan Örn habe sie in ihr Herz geschlossen, so Dilara. „Start a Fire“ erzähle eine Geschichte über Freundlichkeit, Menschlichkeit und Respekt füreinander. Die wichtigste Botschaft: „Auch das geringste Licht kann ein Feuer entfachen.“ Natürlich sei der Song ein bisschen tragisch, dafür aber auch voller Hoffnung, indem auch der weiche und berührende Klang des aserbaidschanischen Nationalinstruments, der Balaban zu hören sei.

Nun ist angezählt, bis zum großen Finale können bereits die Stunden gezählt werden. Die junge Künstlerin ist sich durchaus bewusst, worauf es nun ankommt und welche Chancen sich daraus ergeben könnten:

Für mich ist es sehr wichtig, einen Kontakt mit dem Publikum zu finden, um meine Gefühle und Emotionen zu teilen. Ich wünsche mir, dass meine Zuhörer das tiefe Gefühl meines Liedes ‚Start a Fire‘ erleben. Eurovision ist eine tolle Erfahrung für jeden Künstler. Es ist eine einzigartige Möglichkeit, mit einem so professionellen Team zu arbeiten und großartige Menschen aus verschiedenen Ländern zu treffen. Wenn man eines Tages Teil der Eurovision-Familie wird, vergisst man das nie.

Musik wurde in die Wiege gelegt

Aserbaidschan zählt derzeit zu den erfolgreichsten Wettbewerbsländern der jüngeren Vergangenheit. Seit dem Debüt 2008 kamen seine Vertreter bisher immer in die Top Ten. Damit das auch so bleibt, wurde einiger Aufwand betrieben. Die Stimme für Kopenhagen wurde innerhalb mehrerer Folgen der Castingshow Böyük Sehne ermittelt. Mit Dilara Kazimova tritt in diesem Jahr eine Kandidatin an, der die Musik quasi in die Wiege gelegt wurde. Meine Mutter spielte Klavier und mein Vater war Schlagzeuger in Amateurband. Ich war also seit meiner Kindheit immer von der Musik umgeben, erinnert sich die 1984 in Baku geborene Sängerin zurück. Sie selbst studierte dann auch Gesang an der örtlichen Musikakademie. Etwas anderes zu tun, so gesteht sie freimütig, könne sie sich nicht mehr vorstellen.

Schon 2013 hatte sich die Türkei geweigert, dem Wettbewerb beizuwohnen. Gefordert wurde die Abschaffung der Big-Five-Regel und des Juryvotings (mehr hier). Im September vergangenen Jahres teilte die Europäische Rundfunkunion (EBU) schließlich mit, dass der Wettbewerb transparenter werden soll. 2014 müssten erstmals die Namen der Jurymitglieder eine Woche vor der Veranstaltung veröffentlicht werden. Auch ihre Entscheidungen sollen sofort bekanntgegeben werden, nachdem der Gewinner benannt wurde.

Aserbaidschan und die Türkei: „zwei Länder, aber ein Volk“

Beim 58. Eurovision Song Contest in Schweden sprang der aserbaidschanische Teilnehmer Farid Mammadov für die Türkei in die Bresche. Aus Wertschätzung der Türkei gegenüber hatte er seinen ESC-Song ins Türkische übersetzt. „Ich habe die besondere Möglichkeit und Verantwortung sowohl die aserbaidschanische als auch die türkische Kultur bestmöglich zu repräsentieren“, erklärte er damals im Interview mit den Deutsch Türkischen Nachrichten (mehr hier). Der Grund lag für den jungen Mann auf der Hand: Für ihn seien Aserbaidschan und die Türkei zwar „zwei Länder, aber ein Volk“.

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