Nische im Tourismus-Sektor: Die Türkei braucht dringend Campingplätze

Die Türkei gehört zu den beliebtesten Urlaubsländern überhaupt. Das Land spricht die unterschiedlichsten Segmente an. Eine Gruppe von Touristen wurde bislang allerdings vernachlässigt: Die Camper. Bettenhochburgen gibt es genug. Was fehlt sind Campingplätze.

Wer mit dem Wohnmobil oder dem Wohnwagen in der Türkei unterwegs ist, hat es schwer. Angebote für Urlauber gibt es zwar allerorten. Doch schöne Stellplätze für die  unbeschwerten Ferien auf eigene Faust sind rar. Dabei lohnt es sich, genau um jene Urlauber zu buhlen.

Fündig werden Camper nur an wenigen Orten, wie etwa in Kaş, Taşucu, Selçuk,
Kappadokien oder Uzunya
. Wer aber auf ausreichend gut gelegene oder gar gut ausgestattete Anlagen gar im Großraum Istanbul hofft, der hofft meist vergebens, so der Eindruck des Türkei-Reisenden Wilco van Herpen. Zwar sei er auch schon von schönen Campingplätzen überrascht worden. Auf einer Skala von eins bis zehn, liege die Türkei insgesamt jedoch auf einer glatten eins. Als Grund für diesen Umstand vermutet er eine Fehleinschätzung der Ministerien in Ankara. Seiner Ansicht nach herrsche hier offenbar die Meinung vor, Campingtourismus sei nicht so einträglich. Ein Trugschluss, so der Autor. Das Gegenteil sei der Fall. Ein Tourist, der mit einem Camper unterwegs sei, gebe definitiv mehr Geld aus, als jemand, der in einem All-inklusive-Hotel urlaube.

Grundsätzlich würden sich Camper deutlich von Pauschaltouristen unterscheiden. Zum einen in der Psychologie: Camper seien grundsätzlich neugierige Menschen. Sie besuchen ein Land, um es auch näher kennen zu lernen. Meist sind sie weit gereist und haben schon viele Länder in Europa besucht. Selbst aus den USA würden Camper verschifft, um das alte Europa zu erkunden. Anders sei auch die Grundsätzliche Haltung jener Urlauber. Entweder seien sie mit ihren Kindern unterwegs oder befänden sich bereits im Ruhestand. Gerade letzteres impliziere, dass sie durchaus über Geld verfügen. Reist eine Familie, habe das Ganze meist sogar einen nachhaltigen Effekt. Ließen sich die Kinder begeistern, kehrten diese nicht selten als Erwachsene zurück. Nicht selten halte auch diese Bindung ein Leben lang. Doch genau diese goldene Regel, so van Herpen, werde vom türkischen Tourismus zu wenig beachtet.

Camper hätten obendrein zumeist eine völlig andere Intention die Türkei zu besuchen, als Hotelurlauber. In der Regel seien sie am kulturellen Erbe dieses Landes interessiert. Eine Eigenschaft, die man Leuten, die auf der Suche nach dem billigsten Angebot für ein All inklusive Urlaub in Kusadasi, Antalya oder anderswo sind, nicht nachsagen könne.

Unterscheiden würden sich die Wohnmobilisten auch in ihrem Ausgabeverhalten. Zwar sei es richtig, dass diese zunächst viel selbst mitbringen würden. Doch irgendwann seien diese Vorräte aufgebraucht. Dann ziehe es sie automatisch in die heimischen Läden. Ein Extra-Gewinn für die heimische Wirtschaft. Zudem gingen sie aus, besuchten lokale Restaurants und kämen mit der türkischen Bevölkerung in Kontakt. Ein Punkt, der in den Augen des Autors nicht zu unterschätzen sei. Denn genau so würde sich das Image der Türken positiv verändern.

Künftige Campingplatzbetreiber in der Türkei hätten jedoch eine hohe Messlate zu erreichen. In der Regel seien die Plätze in Frankreich , Deutschland oder Österreich sehr gut ausgestattet. Supermarkt, Kinderspielplatz, sehr schöne Toiletten und Duschgebäude sowie Schwimmbäder seien fast schon Standard. Dazu kämen diverse Serviceangebote, wie etwa das Auffüllen der Wasserbehälter und das Reinigen der chemischen Toiletten. In der Türkei ist das noch Zukunftsmusik.

In den 70er und 80er Jahren hätte es hierzulande durchaus sehr schöne Campingplätze gegeben. Doch diese seien mittlerweile verschwunden. Wie weit die Türkei hinten ansteht, verdeutlichen einige einfache Vergleichszahlen. So verfügt Belgien über 160, Deutschland über 1160, Frankreich über 2736 und in die Niederlande über 1122 Campingplätze. In der Türkei gibt es gerade einmal 42. Und das müsse dringend wieder anders werden.

Eine Übersicht über türkische Campingplätze gibt es hier.

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