50 Jahre Anwerbeabkommen: Österreich feiert mit Plakataktion

Drei Jahre nach Deutschland begeht nun auch Österreich 50 Jahre Anwerbeabkommen. Am 15. Mai 1964 schlossen die Alpenrepublik und die Türkei eine Vereinbarung, um türkische Arbeitskräfte ins Land zu holen. Zum Jubiläum hat ein österreichischer Verein nun historische Zeitungsberichte und Zitate von Politikern und Migranten zusammengetragen. Auf diesem Weg soll an die Geschichte der Gastarbeiter erinnert werden.

Erinnerung einmal anders: Mit „Geschichte in Zitaten“ will der östereichische Verein „Initiative Minderheiten“ die 60er und 70er Jahre wieder ins aktuelle Gedächtnis holen. Damals schloss die Republik Österreich und die Türkei ein Abkommen über die Anwerbung türkischer Arbeitskräfte und deren Beschäftigung in Österreich. Statt einer Feierstunde gibt es jetzt Plakate.

Insgesamt drei Anwerbeabkommen wurden im Verlauf der 60er Jahre geschlossen. Sie stellten die bereits seit Anfang der 60er Jahre stattfindende Zuwanderung türkischer Bürger auf ein legales Fundament. Bis heute wurde die Vereinbarung von keinem der beiden Vertragspartner annuliert. Im Augenblick leben knapp 250.000 Menschen, die selbst oder deren Eltern oder Großeltern in der Türkei geboren wurden, in Österreich. Aber: „Diese ‚Türken‘ haben heute nicht unbedingt das Gefühl, in diesem Lande willkommen zu sein“, so Vida Bakondy und Gamze Ongan, die das Projekt für die „Initiative Minderheiten“ in Kooperation mit dem Archiv der Migration umgesetzt haben. Es gebe keinen Staatsakt, keine koordinierte Aktion zu diesem Jubiläum. Stattdessen fänden sich nur einige wenige, lose Veranstaltungen.

Genau hier setzt nun die Plakataktion mit Originalzitaten aus den Jahren 1962 bis 1964  an. Der Verein beschreibt seine Intention wie folgt:

„Wer weiß in Österreich heute noch, dass ‚Gastarbeiter‘ aus Spanien, der Türkei und Jugoslawien aktiv ins Land geholt wurden? Wer erinnert sich daran, dass Österreich den
Wirtschaftsaufschwung in den 1960er und 1970er Jahren in beträchtlichem Ausmaß diesen ‚Gastarbeitern‘ verdankt? Und wer hat schon von Österreichs Angst gehört, die ‚Gastarbeiter‘ könnten sich für Deutschland oder die Schweiz entscheiden, weil diese Länder attraktivere  Arbeitsbedingungen anboten?“

Das Projekt sei ein Versuch, die Anfänge der Geschichte der Arbeitsmigration in Plakaten
aufleben zu lassen. Im Gegensatz zu heute sei in den 1960er Jahren nicht regelmäßig
öffentlich über „die Türken“ geredet und gemutmaßt worden. Die Gespräche seien im Hintergrund verlaufen. Die Arbeitsmigration, so beschreibt der Verein weiter, sei „abgewickelt“ worden und sei Teil des Verwaltungsapparats gewesen. Auch die Medien hätten nur sporadisch berichtet.

Diese Arbeit wird nun nachgeholt und die unterschiedlichen Perspektiven zusammengetragen: Zu lesen gibt es Zeitungsschlagzeilen, Anforderungsprofile für Arbeitskräfte oder auch mal einen Auszug aus dem Beschwerdebrief eines angeworbenen Arbeiters.

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