Minenunglück in der Türkei: Anzahl der Toten auf über 200 gestiegen

Das schwere Bergwerksunglück in der westtürkischen Provinz Manisa hat bisherigen Erkenntnissen zufolge mindestens 201 Kumpels das Leben gekostet. Die türkische Regierung hat für die kommenden drei Tage Staatstrauer angeordnet. Noch immer sind Arbeiter unter Tage eingeschlossen. Energieminister Taner Yıldız befürchtet, dass die Opferzahlen weiter steigen könnten.

Die ganze Nacht hindurch kämpften die Rettungsteams um die nach Explosion und Feuer eingeschlossenen Minenarbeiter. Der türkische Energieminister Taner Yıldız geht im Augenblick davon aus, dass noch mehr als 300 Kumpel im Innern der Kohlemine gefangen sein könnten.

Wir haben 201 unserer Arbeiter verloren. Wir befürchten, dass die Zahl steigen wird“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet den Minister gegen fünf Uhr morgens Ortszeit. Elf Stunden, nachdem es in der Mine zu dem fatalen Unglück gekommen ist. Neben den vielen Toten soll es ihm zufolge gut 80 Verletzte geben. Die Opfer seien durch eine Kohlenmonoxidvergiftung gestorben.

Darüber, wie viele Minenarbeiter sich zum Zeitpunkt der Explosion unter Tage aufgehalten haben sollen, scheint mittlerweile ein deutlicheres Bild zu existieren. Ersten Berichten, wonach sich 580 Kumpel in der Mine befunden haben sollen, wurden nun von Yıldız korrigiert. Ihm zufolge seien tatsächlich 787 Arbeiter unter Tage gewesen. Ob es sich dabei um die endgültigen Zahlen handelt, scheint aber weiterhin unklar. Denn laut dem Minister seien unter den Verletzen auch Personen von außerhalb der Mine gewesen. Dieser Umstand, so Yıldız, bereite nun zusätzliche Sorgen.

Der Unfall und die massive Zahl der Todesfälle haben heftige Wut in der Türkei ausgelöst. Es werden Anschuldigungen laut, dass die Sicherheitsmaßnahmen unzulänglich gewesen seien. Die Regierung und Minengesellschaften sollen fahrlässig handeln. In der gesamten Türkei sind für diesen Mittwoch Proteste geplant.

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan hat unterdessen seine geplante Reise nach Albanien abgesagt. Auch er wird an diesem Mittwoch, ebenso wie CHP-Chef Kemal Kılıçdaroğlu, am Unglücksort erwartet. Der Premier stellte bereits klar: Die Rettungsarbeiten hätten sofort begonnen, nachdem das Unglück bekannt geworden wäre. Er erhofft sich, in den kommenden Stunden weitere Klarheit über die Umstände und die aktuelle Situation. Staatspräsident Abdullah Gül ist ebenfalls bereits aktiv geworden. Er wandte sich direkt an Gouverneur Abdurrahman Savaş, um weitere Rettungseinheiten zu mobilisieren. Mindestens eine Luftrettung und 27 Krankenwagen wurden bisher zum Unglücksort entsandt. Ein nahe gelegenes Kühllager wurde in eine provisorische Leichenhalle verwandelt.

Mittlerweile hat sich auch die verantwortliche Betreibergesellschaft, die Soma Coal Mining Company, zu Wort gemeldet. Ihren Angaben zufolge sei die letzte Inspektion vor zwei Monaten durchgeführt worden. Mängel seien dabei nicht festgestellt worden. Nähere Angaben, etwa zur exakten Anzahl der Arbeiter, gab es allerdings nicht. Insgesamt soll es in der größten privat betriebenen Mine der Gegend jedoch rund 6500 Beschäftigte geben.

Am Mittwochmorgen keimte neue Hoffnung auf. Sechs Kumpel konnten 18 Stunden nach der Explosion lebend aus der Tiefe geborgen werden. Sie wurden sofort in ein Krankenhaus gebracht. Doch mit jeder Stunde schwindet derzeit die Hoffnung auf weitere Überlebende.

Derzeit halten sich Tausende Familienmitglieder und Freunde in der Nähe des Unglücksortes auf und harren weiterer Neuigkeiten. Die Nerven liegen blank.

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