AKP gegen ausgelassenen Konzertspaß: Muslimische Mädchen sollten nicht auf Schultern feiern

In den vergangenen Jahren hat sich vor allem die türkische Metropole Istanbul zu einem echten Musik-Hotspot entwickelt. Internationale Stars zieht es für spektakuläre Konzerte an den Bosporus. Für muslimische Mädchen und Frauen sollte der Konzertspaß jedoch Grenzen haben, findet ein AKP-Abgeordneter. Für ihn hört die Partylaune spätestens auf dem Rücken von Männern auf.

Bilder junger muslimischer Frauen mit Kopftuch, die während eines Konzertes auf einem Universitätsgelände fröhlich auf dem Rücken von Kommilitonen feiern, haben den AKP-Abgeordneten von Manisa, Selçuk Özdağ, auf den Plan gerufen. Er sei „beschämt“ über solche Szenen.

Zugetragen hat sich das Ganze vor wenigen Tagen während des Frühlingsfestes der Düzce Universität, gut 200 Kilometer von Istanbul entfernt. Die Studentinnen und Studenten feierten ausgelassen zu Klängen bekannter türkischer Künstler wie Gökçe und Gece Yolcuları. Doch die auf Facebook kursierenden Fotos gefielen Selçuk Özdağ ganz und gar nicht. Er twitterte am 11. Mai:

„Ich war beschämt, auf dem Frühlingsfest der Düzce Universität Mädchen mit Kopftuch zu sehen, die auf den Schultern von Männern sitzen. Ach, wo sind ihre Werte?

Die Bemerkung des AKP-Mannes habe in den Sozialen Medien zu einer hitzigen Debatte geführt, so die türkische Zeitung Hürriyet. Die Lager seien gespalten. Zwar gebe es auch Unterstützer, doch nicht wenige erachteten seine Aussagen als „diskriminierend“.

Özdağ ist jedoch  nicht der erste, der sich in die privaten Aktivitäten junger Leute einmischt. Eines der bezeichnensten Beispiel der jüngsten Vergangenheit ist wohl das Alkoholverbot auf dem One Love Festival in Istanbul im Jahr 2012 (mehr hier). Ein Schulgelände sei nicht der passende Ort, um sich dort zu betrinken, stellte damals der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdoğan klar. Kurz zuvor war dem bekannten One Love Festival an der Istanbuler Bilgi Universität die Alkohol-Lizenz entzogen worden. „Um Gottes willen, wie kann das geschehen? Wie kann jemand erlauben, dass Alkohol auf einem Schulgelände verkauft wird? Gehen die Schüler dorthin, um sich zu betrinken oder um sich zu bilden?“, fragte sich Erdoğan.

Die Veranstaltung geriet zudem ins Visier eines türkischen Vereins zur Bekämpfung von Drogenmissbrauch und Alkoholismus. Dieser hatte eine Kampagne gestartet, mit dem Ziel, eines der größten Rockfestivals der Türkei abzusagen. Der Grund: Es wurde von Efes Pilsen gesponsert (mehr hier).

Die konservativen Kräfte hatten damals Erfolg: Das kurzfristige Alkoholverbot für eines der größten Musikevents in Istanbul hatte direkte Auswirkungen auf die Location. Gleich mehrere Veranstaltungen, die in Santral Istanbul stattfinden sollten, wurden abgesagt und an andere Orte verlegt.

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