Minenunglück in der Türkei: Regierung soll Warnungen missachtet haben

Nach dem Minenunglück am Dienstag in Soma geht der Energieminister Taner Yildiz von bislang 205 Toten aus. Berichten zufolge habe die Opposition die Regierung auf die schlechte Lage der Mine aufmerksam gemacht. Diese seien jedoch ignoriert worden.

Am Morgen nach dem Minenunglück im Westen der Türkei ist die Sorge beim türkischen Energieminister Taner Yildiz groß, dass die Explosion noch weitere Menschenleben fordert. Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass sich zum Unglückszeitpunkt rund 800 Minenarbeiter unter Tage befunden haben. Die Stimmung im Land ist angespannt. Erste Rücktrittsvorderungen werden gegen den Minister laut.

Vor neun Monaten hatte Yildiz die Mine besucht. Dabei habe er die Qualität der Sicherheitsmaßnahmen und den Stand der Technologie gelobt. Die Minenbestreiber selbst geben an, die letzte Inspektion vor zwei Monaten durchgeführt zu haben. Beanstandungen soll es nicht gegeben haben. (mehr hier)

Minenbetreiber wollten Kosten drücken

Der Besitzer der Mine, Ali Gürkan, gab in einem  Interview vor zwei Jahren an, dass der Betrieb die Kosten pro Tonne Kohle auf 24 Dollar gesenkt habe, berichtet die Hürriyet Daliy News. Vor der Privatisierung seien es 134 Dollar gewesen. Man habe die Stromversorgung selber installiert, anstatt sie zu importieren. Als weitere Maßnahme habe man Subunternehmer angeheuert, um die Lohnkosten zu drücken.

Am 29. April habe die Regierung unter der Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP) eine parlamentarische Untersuchung abgelehnt, so das Blatt weiter. Die oppositionelle Republikanische Volkspartei (CHP) unter Vertretung von Özgür Üzel wollte die Sicherheit der Mine in Soma parlamentarisch untersuchen lassen. Es habe bereits Unfälle mit Toten in der Mine gegeben. Um größere Unfälle vorzubeugen, hätte das Parlament Vorkehrungen treffen sollen.

Die Regierungspartei wollte allerdings die Vorwürfe nicht zur Kennstnis nehmen. So erklärte der AKP Abgeordneter aus Manis, Muzaffer Yurttaş, dass die Minen in der Türkei sicherer seien als die meisten auf der Welt. Obwohl es immer wieder zu Unfällen kam. (mehr hier) Die Bürger vertrauten ihrem neu gewählten Vertreter.

Keiner will Verantwortung übernehmen

Von Gewerkschaftsseite wird das jetzige Unglück als besonders drastisch eingestuft. Der ehemalige Gewerkschaftsvertreter Çetin Uygur sagte: “Das Minenunglück, das wir heute in der privaten Einrichtung erlebt haben ist in der Tat ein Mord auf höchster Ebene. Wir erleben gerade den schlimmsten beruflichen Mord in der Geschichte unseres Landes“, zitiert ihn Hürriyet Daily News.

Dem Antrag auf Untersuchung der CHP stimmte die AKP nicht zu. Den Preis, so berichtet das Blatt, hätten letztendlich die toten Kumpel bezahlt. Noch habe niemand die Verantwortung übernommen oder sei zurückgetreten.

Unterdessen meldet sich bereits die erste mahnende Stimme aus Deutschland. Der Journalist und Autor Eren Güvercin twitterte:

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