Putin schlägt zurück: Russland will aus ISS-Betrieb aussteigen

Eigentlich war eine Kooperation bis ins Jahr 2024 angedacht. Jetzt hat sich der Kreml umentschieden. Russland will im All offenbar nur noch bis 2020 gemeinsame Sache mit den USA machen. Als Hintergrund des jüngsten Schrittes wird die Ukraine-Krise vermutet.

Wie der stellvertretende Ministerpräsident Russlands, Dmitri Rogosin, am Dienstag verkündete, werde das Land nicht über 2020 hinaus mit den USA auf der Internationalen Raumstation (ISS) kooperieren. Und das trotz der Hoffnung in den Vereinigten Staaten, die ISS bis 2024 nutzen zu können. Rogosin gab zudem bekannt, dass man keine NK-33 und RD-180 Raketentriebwerke mehr für militärische Zwecke an die USA verkaufen werde.

„Nach 2020 wollen wir unsere finanziellen Ressourcen für in die Zukunft gerichtete Weltraumprojekte nutzen“, so Dmitri Rogosin. Die amerikanischen Kollegen hätten zwar ein gewisses Interesse ausgedrückt, die Arbeit der ISS bis 2024 zu verlängern. Doch die russische Weltraumforschung sei nun auch für neue strategische Vorschläge aufgeschlossen. Man könne unabhängig von der NASA agieren. Andersherum sei das allerdings nicht der Fall.

Bis 1. Juni müsse die USA außerdem die Nutzung von elf GPS-Standorten im Land aufgeben. Nach dem Stichtag werde Russland eine dreimonatige Verhandlungsphase einläuten. Wenn die beiden Staaten nicht zu einer Einigung kämen, werde man auch diese Kooperation dauerhaft beenden. Diese Maßnahmen werden als eine Reaktion auf US-Sanktionen gegen Russland und seinen Spitzenbeamten im Zuge der Ukraine-Krise gewertet, so das Portal arstechnica.com.

Die Spannungen zwischen der NASA und den russischen Behörden nahmen bereits im vergangenen Monat ihren Lauf. Anfang April verkündete die NASA, dass man den Kontakt mit Vertretern der russischen Regierung ausgesetzt habe. Als Grund nannte die zivile US-Bundesbehörde für Luft- und Raumfahrt die anhaltenden Verletzungen der Souveränität und territorialen Integrität der Ukraine (mehr hier). Michael F. O’Brien, NASA Associate Administrator für internationale und ressortübergreifende Beziehungen,  erklärte in einem Schreiben: „Die Aussetzung beinhaltet NASA-Reisen nach Russland sowie Besuche von Vertretern der russischen Regierung in NASA-Einrichtungen, bilaterale Treffen, E-Mail und Telefon- oder Videokonferenzen.“ Allerdings seien die laufenden Aktivitäten auf der Internationalen Raumstation (ISS) von den Vorschriften ausgenommen. Gleiches gelte für „multilaterale Treffen, die außerhalb von Russland und unter russischer Beteiligung stattfinden“.

Für die USA ergibt sich aus der jüngsten Erklärung der Russen ein echtes Dilemma: Ende Juli 2011 ging in den USA die Space-Shuttle-Ära zu Ende. Die russischen Sojus-Kapseln sind derzeit das einzige Transportmittel zur Versorgung der ISS. Erst im April  2013 unterzeichnete die NASA ein neues Abkommen mit Russland über sechs weitere Flüge bis 2017. Das ganze Vorhaben erfolgt zu einem Preis von 70,7 Millionen Dollar pro Sitzplatz.

Zwar gibt es derzeit durchaus US-amerikanische Bestrebungen, diese Abhängigkeit zu beenden. Vor 2017 wird man dort allerdings nicht soweit sein. Rogozin arbeite jedoch auch Russland an Alternativen zur weiteren Erforschung des Weltraums. So wolle man etwa am 19. Mai , dem Vorabend des Russland -China-Gipfels, über potenzielle Projekte der bilateralen Zusammenarbeit in der Raumfahrt mit den Partnern in Peking sprechen.

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