Protest gegen Minenunglück: Türkische Polizei drängt Demonstranten gewaltsam zurück

Die türkische Polizei ist am Nachmittag mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Studenten vorgegangen, die zum Energieministerium in Ankara marschieren wollten. Die jungen Leute wollten ihrem Unmut über das Grubenunglück in Soma Luft machen. Mittlerweile sind hier mindestens 245 Tote zu beklagen.

Rund 800 Studenten hatten sich auf dem Campus der Technischen Universität des Nahen Ostens (ODTÜ) versammelt, um gemeinsam gegen die Katastrophe am Dienstag zu demonstrieren. Die Polizei untersagte den jungen Leute allerdings, das Campus-Gelände zu verlassen und blockierte die Ausgänge.

Die Studenten sollen während der Intervention mit Wasserwerfern und mit Tränengas angegangen worden sein. Via Lautsprecher sollen sie zudem gemaßregelt worden sein, so die türkische Zeitung Hürriyet.

Inzwischen haben auch eine Reihe von Gewerkschaften und Organisationen mehrere Anrufe für Proteste in den kommenden Tagen gestartet. Gewerkschaften, wie etwa die Konföderation der Revolutionären Arbeitergewerkschaften der Türkei (DİSK), eine der größten Arbeitergewerkschaften in der Türkei, die Kamu Emekçileri Sendikaları Konfederasyonu (KESK) und die Türkische Architekten Kammer (TMMOB) haben zudem dazu aufgefordert, am Donnerstag Punkt neun Uhr für drei Minuten die Arbeit niederzulegen. In einer gemeinsamen Erklärung forderten sie ihre Mitglieder außerdem dazu auf, in Gedenken an die Minenopfer schwarze Kleidung zu tragen.

In Istanbul protestierte unterdessen eine Gruppe vor dem Hauptquartier des privaten Minenbetreibers von Soma. Dabei kam es auch zu Vandalismus. Bislang unbekannte Täter schrieben „Mörder“ an die Hauswand. Zudem wurde im Garten der Soma Coal Mining Company ein Sitzstreik durchgeführt. Mitgebracht hatten die Demonstranten Plakate mit der Aufschrift: „Das Gebäude erhebt sich aus dem Blut der Arbeiter“ oder „Sie sind nicht schön gestorben. Das ist Mord, kein Schicksal.

Im Zuge einer anderen Aktion legten sich zehn bis 15 Personen auf den Boden der U-Bahn am Taksim Platz, um die Todesfälle in der Grube zu symbolisieren. Am Abend soll es nun zu weiteren Protesten kommen. Der Gezi Park wurde inzwischen vorsorglich geschlossen.

Erdoğan wird in Soma ausgebuht

Am Mittwoch traf auch der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan am Unglücksort ein. Sein Auftritt wurde von spontanen Protestaktionen begleitet. Eine Gruppe von Einheimischen machte ihrem Unmut Luft und buhte den Premier kurzerhand aus. Die Menge forderte die Regierung auf, Konsequenzen aus der Katastrophe zu ziehen und zurückzurtreten. Auch hier schritten letztlich die Sicherheitskräfte ein.

Erdoğan selbst gab sich während der Pressekonferenz ausgesprochen kühl und spielte die Katastrophe herunter. Arbeitsunfälle, so der Premier, gäbe es überall. So etwas sollte niemanden überraschen. Solche Unglücke gehörten zum Schicksal der Minenarbeiter. Gleichzeitig sicherte er jedoch zu, dass der Unfall gründlich untersucht werde.

Am Mittwoch hat nun auch Israel seine Unterstützung bei den Rettungsarbeiten in Soma angeboten. Derweil kam es in Zonguldak in einer illegalen Mine zu einem weiteren Unglück. Dort starb am Mittwoch ein Arbeiter.

In Soma setzen sich die Unruhen unterdessen fort. Ein wütender Mob attackierte das AKP-Gebäude des Distrikts und beschädigte dieses. Energieminiser Taner Yıldız bestätigte inzwischen 245 Tote.

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