Werbung für russische Medizin: Staatsvertreter sollen auf Behandlung im Ausland verzichten

Aus der Sicht einiger russischer Abgeordneter sollten sich Staatsbeamte künftig nicht mir im Ausland behandeln lassen dürfen. In Kürzel wollen sie ein entsprechendes Gesetz vorschlagen. Die Ideengeber betrachten ihren Vorstoß als psychologisches Druckmittel. Nur so werde sich künftig mehr um den hiesigen Medizinsektor gesorgt.

Eine Gruppe von russischen Politikern rund um den kommunistischen Abgeordneten Wladimir Fedotkin will ein Verbot für eine ausländische medizinische Versorgung von Staatsbeamten erwirken. Der Grund liegt für sie auf der Hand: Einzig auf diese Weise wird sich in Zukunft mehr um den heimischen Gesundheitssektor bemüht.

Nur wenn es für den Patienten tatsächlich keine andere Möglichkeit als eine Behandlung außerhalb Russlands gebe, soll eine solche noch erlaubt sein, so die russische Nachrichtenagentur Itar Tass. Auf diese Weise glauben Fedotkin und seine Anhänger die Medizin im eigenen Land nachhaltig verbessern zu können. Denn nur mit Hilfe eines solchen Verbotes seien die Staatsbeamten auch wirklich daran interessiert, die Entwicklung des heimischen Gesundheitssektors voranzutreiben sowie für eine bessere Kontrolle über die Qualität der Ausbildung von Personal und der medizinischen Versorgung zu sorgen.

„Unsere Polikliniken für Abgeordnete verfügen über eine im Ausland hergestellte Ausrüstung. Dennoch ziehen es die Leute vor, sich im Ausland behandeln zu lassen“, so Fedotkin. Seiner Ansicht nach gehe es hier also nicht nur um die Qualität der Ausstattung. Vielmehr gebe es offenbar auch Zweifel an der Qualität der Dienstleistungen. Und das selbst an solchen Polikliniken, wie man sie derzeit habe. Über andere Einrichtungen wolle er gar nicht erst sprechen.

Seinen Gesetzesentwurf wolle er zum Ende der Frühlingsperiode in der Duma einbringen. Unterstützt wird sein Anliegen bereits von Sergej Kalaschnikow, Vorsitzender des Gesundheitsschutzausschuss der Duma.

Erst im vergangenen Sommer wurde das russische Gesundheitssystem schwer getroffen. Im Juni 2013 setzte die russische Regierung massive Kürzungen und Privatisierungen im Gesundheitswesen durch. Doch schon damals war das System massiv unterversorgt. „Der Anteil der Gesundheitsausgaben liegt in Russland bei nur 3,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP)“, so wsws.org. Der Staatshaushalt für 2013 bis 2015 sehe nun vor, die Gesundheitsausgaben von 507 auf 373 Mrd. Rubel zu reduzieren.

Mit seinem Gesetzesvorschlag könnte der Abgeordnete nun in der Tat den Nerv der Bevölkerung treffen. Denn wie das Blatt damals weiter schrieb, sei das russische Gesundheitssystem schon seit Jahren die Achillesferse des Landes:

„Die Kürzungen im Gesundheitssystem und anderen sozialen Bereichen sind in der Bevölkerung zutiefst unpopulär. Bei einer Umfrage des Levada-Zentrums 2012 gaben die meisten an, dass der miserable Zustand des Gesundheitssystems ihrer Ansicht nach das größte Problem im Land sei. Im ganzen Land fanden in den letzten Monaten Demonstrationen, Streiks, und Hungerstreiks von tausenden Patienten, Ärzten und Pflegern gegen die Schließungen von medizinischen Einrichtungen, Lohnkürzungen und die Abschaffung kostenloser Gesundheitsvorsorge statt.“

Zunehmend komme es zu Privatisierungen und gleichzeitigen Schließungen ganzer Einrichtungen. Betroffen seien insbesondere ländliche Regionen. Auch Lohnkürzungen von bis zu zehn Prozent und Personalabbau aufgrund der Auslagerung dieser Kosten aus dem Staatshaushalt seien an der Tagesordnung. Das vom Gesundheitsministerium vorgeschriebene Mindestgehalt für einen Mediziner von 33,000 Rubel, umgerechnet rund 775 Euro, werde nur noch selten ausgezahlt. Die Folge:

„Diese Kürzungen werden (…) den bereits gravierenden Fachkräftemangel in der Medizin verschärfen. Laut Angaben des Gesundheitsministeriums fehlten im letzten Jahr 152,000 Fachkräfte. Rechtlich gesehen existiert in Russland noch eine kostenlose Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung. In Wahrheit gibt es jedoch ein Zwei-Klassen-Gesundheitssystem, bei dem sich nur die obere Mittelschicht und die Oligarchie Zugang zu einer angemessen medizinischen Behandlung leisten können.“

Mehr zum Thema:

Internisten in Sorge: Neuer Lernzielkatalog gefährdet Qualität des Medizinstudiums
Revolution in der Medizin: Den Gesundheits-Checks gibt’s künftig für die Hosentasche
Psychische Probleme: Ärzte untersuchen oft nur auf körperliche Beschwerden

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.