Fast 300 Tote: Soma wird zum schlimmsten Minenunglück der türkischen Geschichte

Noch nie hat ein Grubenunglück in der Türkei so viele Tote gefordert wie in Soma. Dabei sind die Bergungsarbeiten noch nicht beendet. Ein Vergleich mit den beiden größten Kohleförder-Ländern zeigt: Die türkischen Minen sind sogar gefährlicher als die in China.

In den frühen Morgenstunden des 15. Mai hat der türkische Energieminister Taner Yildiz die neuesten Opferzahlen von 282 bekannt gegeben. Doch stündlich werden mehr Tote geborgen. Schon am Mittwoch zeichnete sich für den Politiker ab: „Wir bewegen uns auf die größte Minen-Katastrophe der Türkei zu“. Seit zwölf Stunden habe man keine Überlebenden bergen können. Dutzende Kumpel seien noch eingeschlossen. 217 Leichen seien ihren Familien übergeben worden. In der Vergangenheit kam es bereits öfter zu Unfällen.

Historie der Minen-Unglücke in der Türkei

Die bisher größte Katastrophe in einer Mine ereignete sich 1992 in der Provinz Zonguldak am Schwarzen Meer. Eine Gasexplosion in einer Zeche forderte damals 263 Menschenleben, berichtet die Hürriyet Daily News.

Sei 1941 hätten in der Türkei über 3.000 Menschen ihr Leben durch derlei Katastrophen verloren. Die meisten Unfälle ereigneten sich durch Feuer, Erdrutsche oder Explosionen. 2013 fielen acht Arbeiter einer Methangas-Explosion zum Opfer. 2010 sind bei einer Explosion 30 Menschen in einem Werk in Zonguldak gestorben. 2009 mussten in Mustafakemalpaşa 19 Menschen ihr Leben lassen. 103 Minenarbeiter wurden 1983 in Armutçuk getötet, berichtet die Hürriyet Daily News weiter.

Todeszahlen im internationalen Vergleich

Die bisher zwölf größten Minen-Unfälle weltweit forderten insgesamt 6.811 Menschenleben. Das bisher größte Minen-Unglück ereignete sich 1942 in China. 1.549 fielen eine Explosion zum Opfer. Eine Explosion in Jahr 1906 tötete in Frankreich 1.099 Menschen, berichtet gündem bugün.

Ein Bericht aus dem Jahr 2010 vergleicht die Todesopfer in der Türkei mit anderen Staaten. Laut dem Bericht stürben in der Türkei mehr Menschen in Minen-Unfällen als in den beiden größten Kohleförder-Ländern USA und China. Verglichen wird mit der Todeszahl pro Tonne Kohle. In türkischen Minen sei es gefährlicher als in China, welches die meisten Todesopfer verzeichnet. Die Opferzahlen pro Tonne Kohle seien 2008 siebenmal höher gewesen als in China. Im Bericht der Türkischen Forschungsgemeinschaft für Politische Ökonomie (TEPAV) steht weiter: „Während die Zahl der Toten pro Mio. Tonne Kohle bei 7,22 in der Türkei liegt, lag sie in China bei 1,22 und bei 0,02 in den USA im selben Jahr. Pro 100 Mio. Tonne Kohle läge die Opferzahl im Zeitraum 2000 bis 2008 in den USA zwischen ein und sechs, in der Türkei zwischen 200 und 900.

Laut Angaben des Türkischen Instituts für Statistik (TÜIK) ereigneten sich 10,4 Prozent der Industrieunfälle in Minen.

Im Tebav-Bericht heißt es weiter: „Unsachgemäße Luftversorgungssysteme, mangelnde Fluchtwege, ungenügende Vorsichtsmaßnahmen für Personensicherheit und eine schlechte Technologie sind Wegbereiter für Minen-Opfer.“

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