Konsequenz aus Soma: Katastrophe könnte AKW-Ausbau beschleunigen

Das Minen-Unglück in Soma könnte auch Auswirkungen auf den Energiesektor haben. Bei der Energiewende setzt die Regierung derzeit auf den Ausbau von AKWs. Dieser Prozess könnte nun beschleunigt werden. Das würde auch das Handelsbilanz-Defizit des Landes senken.

Nach dem Minen-Unglück in Soma mit bereits über 280 Toten, steht nun der Energiesektor im Fokus der Öffentlichkeit. Der türkische Energiebedarf wir derzeit zu gut einem Drittel mittels Kohle gestillt. Der Anteil der Kohlekraftwerke am Energiemix liegt derzeit bei über 25 Prozent.

Die Kohle-Branche beschäftig fast 49.000 Menschen in 740 registrierten Minen- und Braunkohleunternehmen. Gemeinsam generieren sie eine Leistung von 61,5 Terrawatt-Stunden (TW-h), berichtet die Hürriyet Daily News. Die Zahlen verdeutlichen die Abhängigkeit des Landes von der Kohleenergie.

Kohlekraftwerke gelten in der Türkei nicht als sicher. Die Katastrophe von Soma markiert einen traurigen Höhepunkt in einer Reihe von Unfällen in türkischen Minen (mehr hier).

Während man unter dem Begriff „Energiewende“ in Europa eine Wende hin zu erneuerbarer und grüner Energie assoziiert, setzt die türkische Regierung auf den Ausbau von AKWs. Die Planung für den Bau von zwei AKWs in Akkuyu und Sinop sind mit Risiken verbunden. Für dieses Vorhaben hat die Regierung nicht die volle Unterstützung der Bevölkerung. Der Bau berge nämlich erhebliche Risiken (mehr hier).

Die Regierung könnte die Situation in Soma für ihr Vorhaben verwerten. Die Absicht den Bürgern die Atomkraft näher zu bringen könnte gelingen. Mit dem Vorhaben verfolgt die Regierung mehrere Ziele. Denn: Mit dem wirtschaftlichen Wachstum steigt auch der Energieverbrauch (mehr hier). Zum einen soll man unabhängiger von ausländischer Energie werden. Zum anderen könnte man das Handelsbilanzdefizit dezimieren. Das Defizit für das aktuelle Jahr habe sich im April auf 2,7 Milliarden Türkische Lira, umgerechnet 936 Millionen Euro, erhöht.

Derzeit befindet sich die türkische Regierung in engen Verhandlungen mit der Internationalen-Atomenergie-Organisation (IAEA) für den Bau den AKWs. Energieminister Taner Yildiz traf sich erst in dieser Woche mit dem Leiter der Organisation Yukiya Amano. Dieser habe den Fortschritt des Landes in der Atomenergie gelobt und gesagt, dass die Türkei ein wichtiger Partner für die IAEA sein, berichtet haberler.com.

Gerade in Krisensituationen werden ad-hoc-Entscheidungen getroffen. Unentschlossene Bürger lassen sich so für schnelle Lösungen gewinnen. Die Katastrophe in Soma könnte somit zum Ausgangspunkt für die schnellere Durchsetzung weitere AKW-Projekte werden.

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