Amnesty International: Grubenunglück hätte verhindert werden können

Während die Zahl der toten Kumpel in der Türkei mittlerweile auf 284 gestiegen ist, erhebt nun auch die internationale Menschenrechtsorganisation Amnesty International schwere Vorwürfe. Zu dieser Katastrophe hätte es nicht kommen müssen. Die Regierung habe mit dem Leben der Leute gespielt.

Amnesty International hat die türkische Regierung aufgefordert, das Minenunglück von Soma sofort und eingehend zu untersuchen. Es müsse Klarheit über die gefährlichen Arbeitspraktiken im Bergbausektor geschaffen werden, um weitere Katastrophen dieser Art zu vermeiden.

In einer aktuellen Erklärung der Organisation zu den dramatischen Ereignissen in der Westtürkei sagt Andrew Gardner, Türkei-Experte von Amnesty International:

Das war eine Tragödie, die hätte vermieden werden sollen. Die lange Geschichte von Todesfällen in Bergwerken in der Türkei wirft Fragen über die Sicherheit der Arbeitnehmer auf. Die Tatsache, dass die Regierung die letzten Anrufe von Parlamentariern, die schweren Arbeitsunfälle zu untersuchen, abgelehnt hat, ist schockierend. Sie spielen mit dem Leben der Menschen.

Bis zum Donnerstagabend kletterte die Anzahl der toten Kumpel in der von der Soma Kömür İşletmeleri A.Ş betriebenen Mine auf 284. Am Freitagmorgen spricht der türkische Energieminister Taner Yildiz von 18 verbleibenden Vermissten. Seit Mittwoch ist es den Rettungskräften nicht mehr gelungen, einen von ihnen lebend zu bergen. Mittlerweile wurde bekannt, dass es für alle Arbeiter nur einen kleinen Schutzraum gegeben haben soll. Die dort 14 verbliebenen Arbeiter sollen erstickt sein, als der Sauerstoff aufgebraucht war.

Im vergangenen Jahr wollte die türkische Oppositionspartei CHP die Arbeitsunfälle in der Mine von Soma untersuchen lassen, so die Menschenrechtsorganisation weiter. Der Antrag sei von allen drei Oppositionsparteien unterstützt worden. Doch die AKP habe dagegen gestimmt. Zwei Wochen später sei der Antrag schließlich abgelehnt worden. Amnesty International fordert deshalb:

„Die türkischen Behörden müssen eine sofortige Untersuchung einleiten, um die Ursache der Explosion ausfindig zu machen. (…) Die Soma-Holding muss vollständig kooperieren und die Ergebnisse der Untersuchung müssen öffentlich gemacht werden.

Unterdessen haben in Soma die ersten Massenbegräbnisse stattgefunden. Freiwillige Helfer hoben Hunderte Gräber aus.

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