Nach Conchita Wurst: Russland will seinen eigenen Gesangswettbewerb

Der Sieg der österreichischen Dragqueen Conchita Wurst beim diesjährigen Eurovision Song Contest in Dänemark hat in Russland nicht nur zu heftigen Reaktionen, sondern nun offenbar auch zu einem handfesten Gegenentwurf geführt.

Steigt Russland nach dem Sieg der bärtigen Lady nun aus dem Eurovision Song Contest aus? Geht es nach einigen russischen Staatsmännern, kocht das Land künftig sein eigenes Wettbewerbs-Süppchen. Sie wollen eine familienfreundliche Version des Contests etablieren.

Hinter den Unabhängigkeitsbestrebungen steht der kommunistische Abgeordnete Valery Rashkin. Er wünsche sich einen eigenen Wettbewerb, der sich mehr auf familiäre Werte konzentriere, so das Portal The Wire. Sein Gegenvorschlag zum europäischen Traditionswettbewerb lautet „Voice of Eurasia“, an dem alle Künstler aus den ehemaligen sowjetischen Satellitenstaaten teilnehmen könnten. Eine Idee, die übrigens auch die Türkei nach ihrem Ausstieg aus dem Wettbewerb mit Turkvision tatsächlich in Angriff nahm (mehr hier).

Der Sieg von Conchita Wurst traf Russland besonders hart. Hatte die Künstlerin schon vor dem Finale mit Anfeindungen zu kämpfen, drehten danach vor allem russische Stars und Politiker noch einmal auf (mehr hier). Sogar das Ende Europas wurde gewittert. Auch Rashkin hält mit seiner Meinung über die Interpretin nicht hinterm Berg: „Die Ergebnisse der letzten Eurovision Song Contest haben unsere Geduld erschöpft. Wir müssen diesen Wettbewerb verlassen. Wir können diesen endlosen Wahnsinn nicht zu tolerieren“, zitiert ihn die russische Nachrichtenagentur Interfax.

Für Paul Jordan alias Dr. Eurovision ist der Fall ganz klar. Die russische Gegenreaktion sei eine Kombination aus Verlegenheit und Frustration. Der eigene Act wird ausgbuht, und Conchita Wurst gewinnt mit einer überwältigenden Punktezahl – das gehe mit dem russischen Weltbild nicht überein.

Steigt Russland nun tatsächlich aus dem Eurovision Song Contest aus, wäre es nicht die erste Nation. Neben der Türkei haben auch Georgien, Kuba und Lettland mit dem so genannten New Wave Contest für junge Popsänger einen eigenen Wettbewerb etabliert. Fehlen würden der Übertragung allerdings die schätzungsweise 125 Millionen Zuschauer, die das Spektakel Jahr für Jahr an den Bildschirmen verfolgen. Ob ein weiterer regionaler Wettbewerb das gleiche Aufsehen nach sich ziehen kann, bliebe abzuwarten. Vielmehr scheint es so, als ob ultrakonservative russische Politiker mit derlei Anregungen schlicht um eine Steigerung der eigenen Popularität bemüht wären.

Auf einer Linie mit ihren Bürgern sind sie hierbei allerdings nicht. Für Conchita Wurst kamen im Finale fünf Punkte aus Russland. Die russischen Zuschauer sahen die Österreicherin gar auf Platz drei, die Jury sprach ihr dann jedoch nur Rang elf zu.

Übrigens, einige der bislang schillerndsten Acts stammen aus der Region selbst. Man erinnere sich nur an die beiden Damen von t.A.T.u., die 2003 für das Land antraten. Oder die ukrainische Dragqueen Verka Serduchka, die 2007 für Aufsehen sorgte.

Noch ist „Voice of Eurasia“ bloß ein konservativer Wunschtraum. Realität ist jedoch dieser Samstag, der Internationale Tag gegen Homophobie und Transphobie.

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