Trotz Katastrophe: Minenbetreiber will weitermachen

Der Betreiber der Kohlemine in Soma hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach er fahrlässig gehandelt haben soll. Gleichzeitig wurde zugegeben, dass lebensrettende Schutzräume noch nicht fertiggestellt worden seien. Trotz der Katastrophe soll der Betrieb weiter gehen.

Die Soma Coal Mining Company, die das Unglücksbergwerk in Soma betreibt, hat sich nun ausführlich zu den erhobenen Vorwürfen zu Wort gemeldet. Das Unternehmen gestand zwar Mängel ein. Dass man fahrlässig gehandelt habe, wiesen der Betriebsleiter und der Chef des Unternehmens vor den anwesenden Journalisten allerdings zurück.

„Von unserer Seite aus gibt es keine Fahrlässigkeit. Ich habe 20 Jahre lang in Minen gearbeitet. Ich habe noch nie einen solchen Vorfall erlebt“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Betriebsleiter Akın Çelik im Zuge einer Pressekonferenz an diesem Freitag.

Die Frage der Medien, ob das Unternehmen die Mine in Anbetracht der Katastrophe vom 13. Mai weiter betreiben wolle, bejahte Soma Coal Mining-Chef Ali Gürkan. Zuvor solle jedoch der fehlende Schutzraum gebaut werden. „Rechtlich gesehen, besteht für uns keine Pflicht, einen Schutzraum zu bauen. Doch wir hätten diesen in drei bis vier Monaten fertiggestellt, wäre das Unglück nicht passiert“, so Gürkan weiter.

Drei bis vier Monate später: Kumpel hätten überlebt

Einen eigenen Schutzraum habe es also zum Zeitpunkt des Unglücks nicht gegeben. Einen Fluchtpunkt in der Nähe der untersten Ebene existiere aber sehr wohl. Über diesen könnten Arbeiter entkommen, ohne die 300 Meter bis zum Haupteingang zurücklegen zu müssen. Als die Anlage in Betrieb genommen wurde, habe es im Zentrum der Mine eine Schutzkammer gegeben, die 500 Personen fasse. Als die Produktion in diesem Teil der Mine endete, sei diese aber geschlossen worden, so das Blatt weiter. Als der Abbau dann in tiefere Areale vordrang, seien nach Angaben des Managements in der Tat Arbeiten in Gang gewesen, dort Schutzräume zu errichten. In einem kleinen Raum sollen sich 14 Arbeiter zunächst hinein gerettet haben (mehr hier). Ergo: Wäre das Unglück drei oder vier Monate später geschehen, wäre der Bau der Schutzräume abgeschlossen gewesen und die Kumpel hätten überlebt.

Auch drei Tage nach der Katastrophe scheint die Ursache noch nicht zu 100 Prozent aufgeklärt. Der Ausbruch des Feuers ist für die Verantwortlichen nach wie vor unerklärlich. Anders als vielfach zunächst angenommen, gehen die Betreiber mittlerweile allerdings nicht mehr von einem defekten Stromverteiler aus, sondern von erhitzter Kohle, die das Feuer verursacht habe. „Der Vorfall ereignete sich in drei bis fünf Minuten. Binnen fünf Minuten füllte sich alles mit Gas“, so Çelik. Gürkan zufolge seien zudem alle notwendigen Investitionen getätigt worden, um die Sicherheit der Arbeiter zu gewährleisten. Die Arbeitsbedingungen seien verbessert worden, um Unfälle zu vermeiden. Zuvor wurden Anschuldigungen laut, dass genau das Gegenteil der Fall gewesen wäre, um größere Profite zu generieren (mehr hier).

18 Kumpel werden noch vermisst

Çelik bestätigte unterdessen, dass sich zum Unglückszeitpunkt tatsächlich 787 Kumpel in der Mine aufgehalten hätten. 363 hätten nach der Explosion entkommen können. 122 Verletzte wurden geborgen und in nahegelegene Krankenhäuser gebracht. Außerdem bestätigte er die Aussage von Energieminister Taner Yildiz, wonach noch 18 Kumpel vermisst würden.

Gerüchte, wonach in der Mine auch Minderjährige beschäftigt worden seien, wurden vom Unternehmen zurückgewiesen. Ebenso wenig hätten ausländische oder Leih-Arbeiter in der Mine gearbeitet. Neben den gesetzlich vorgeschriebenen Entschädigungen wolle man den Angehörigen nun mit einem eigenen Programm zur Seite stehen. Welchen Umfang dieses haben werde, ist noch nicht völlig klar. Sicher sei jedoch bereits, dass etwa für die Ausbildungskosten der Kinder aufkommen wolle.

Die Mine von Soma gilt als die größte in der Region. Sie beschäftigt bis zu 6500 Kumpel. Die Anlage wurde Ende der 1970er Jahre privatisiert.

Mehr zum Thema:

Amnesty International: Grubenunglück hätte verhindert werden können
Konsequenz aus Soma: Katastrophe könnte AKW-Ausbau beschleunigen
Alleingang: Türkei lehnt ausländische Hilfe beim Minenunglück ab

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.