Trauer um mehr als 300 Tote: Türkische Polizei schreitet weiter unerbittlich ein

Vier Tage nach der verheerenden Grubenexplosion hat sich die Prognose des türkischen Energieministers bestätigt: Die Zahl der Todesopfer von Soma ist auf 301 geklettert. Nach wie vor halten die landesweiten Proteste an. Am Unglücksort schritt die Polizei nun erneut massiv mit Tränengas und Wasserwerfern ein.

Der türkische Energieminister Taner Yıldız sah sich am Freitag auf traurige Weise bestätigt: Er hatte zuvor gehofft, dass es bei rund 300 Toten bleiben wird. Nun gab die Regierung die jüngsten Zahlen bekannt. Die Explosion von Soma forderte bislang mindestens 301 Opfer. Auf den Straßen der Türkei wurden diese am Freitag erneut in Massenkundgebungen beklagt. Wieder kam es zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei.

Im Verlauf der vergangenen Woche kursierten immer wieder unterschiedliche Angaben über die sich in der Mine befindlichen Kumpel. Da sich das Unglück offenbar zum Schichtwechsel ereignet hatte, war nicht klar, wie viele Menschen sich tatsächlich unter Tage befunden haben. Am Samstagmorgen, nachdem über Nacht 15 weitere Leichen geborgen werden konnten, schien sich die Ahnung des Energieministers dann zu bestätigen:

„Diese Zahl kann ich aufgrund von Aussagen der Familien und den Unterlagen machen, die mir das Unternehmen übergeben hat. Wir haben Arbeiter, die während des Schichtwechsels zurück in die Mine gegangen sind. Es gibt zwei oder drei Arbeiter, über die wir uns nicht sicher sind. Wir sind vom Schlimmsten ausgegangen. Wir hoffen, dass die Zahl darunter liegen wird. Ich glaube, dass es am Ende auf 299-300-302 Tote hinauslaufen wird.

Mittlerweile ist klar: Das Minenunglück forderte mindestens 301 Tote. Berichte, wonach sich noch über 100 Kumpel in der Mine aufhalten sollen, wurden vom Energieminister jedoch zurückgewiesen. Das am Dienstag ausgebrochene Feuer sei hingegen nach wie vor nicht vollständig gelöscht. Obendrein sei am Samstag ein weiteres Feuer ausgebrochen, so die türkische Zeitung Hürriyet.

Unterdessen spielten sich in Soma am Freitag erneut dramatische Szenen auf den Straßen ab. Mit Tränengas, Gummigeschossen und einer Wasserkanone ging die Polizei gegen die Menschenmengen vor, das berichtet CNN. Demonstranten skandierten Schlafe nicht Soma, gedenke deiner Toten!. Die Stimmung kochte zuletzt massiv hoch, nachdem Bilder im Netz kursierten, die einen Berater des türkischen Premiers zeigten, der auf einen am Boden liegenden Mann eintritt. Auch das Verhalten von Recep Tayyip Erdoğan selbst, lässt die Bevölkerung in Rage geraten (mehr hier).

Auch andernorts kam es am Freitag bei Anti-Regierungsdemonstrationen zu gewaltsamen Szenen. Einige Demonstranten sollen festgenommen worden sein. So nahmen die Sicherheitskräfte allein in İzmir 27 Personen in Gewahrsam, die mitten auf einer Straße einen Sitzstreik abhielten. Am Vortag nahm die Polizei allein in Kadıköy 22 Menschen fest. Demonstriert wurde auch in mehreren Gebieten İstanbuls, in Bodrum und der Provinz Antalya.

Für gut 10.000 Minenarbeiter der staatlichen TTK, die sich in der Schwarzmeerregion Zonguldak  zu einem ganztägigen Streik zusammengefunden hatten, hat das ganze nun ein finanzielles Nachspiel. Sie sollen nun den Lohn für zwei Tage verlieren, heißt es.

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