Letztes Opfer geborgen: Unglück von Soma fordert 301 Menschenleben

Vier Tage nach der verheerenden Explosion in einer Kohlemine in Soma sind die Rettungsarbeiten dort abgeschlossen. Die Regierung benannte die abschließende Zahl der Opfer mit 301. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass sich nun keine Leichnahme mehr unter Tage befinden.

Seit dem 13. Mai haben türkische Rettungskräfte fieberhaft nach den eingeschlossenen Kumpeln in der Kohlemine von Soma gesucht. Nachdem „die letzte Leiche“ nach oben geholt wurde, ist mittlerweile klar: Das Unglück forderte 301 Menschenleben. Sie Suche gilt seit diesen Samstag vorerst als abgeschlossen. Die Ermittlungen nach der Brandursache laufen jedoch weiter.

Wie der türkische Energieminister Taner Yıldız am Samstag mitteilte, seien die letzten Toten am Nachmittag gegen 15.10 Uhr Ortszeit geborgen worden. Das berichtet CNN. Zuvor hatte der Ausbruch eines neuen Feuers die Bergungsarbeiten behindert. Der Brandherd lag nur gut 250 Meter von dem am Dienstag entfernt und stellte zwischenzeitlich eine zusätzliche Gefahr für die Rettungsteams dar. Noch immer ist allerdings nicht klar, wie es dazu kommen konnte (mehr hier).

Yıldız zufolge hätten insgesamt 485 Minenarbeiter flüchten bzw. gerettet werden können. Kurz vor Abschluss der Bergungsarbeiten erklärte er: „Nach unserer Einschätzung gibt es höchstens drei weitere Arbeiter unter Tage. Natürlich werden wir unsere Bemühungen fortzusetzen, allerdings kam es heute zu einem neuerlichen Vorfall. (…) Nun steigt das Methan-Niveau wieder an.“ Am frühen Abend dann seine finale Nachricht: „Wir haben keine Mitteilung über weitere fehlende Arbeiter.“ Nicht wenige Anwohner fürchten nun jedoch, dass die türkische Regierung die Zahlen herunterspielen und sich im Augenblick tatsächlich noch weitaus mehr Tote unter Tage befänden, so die türkische Zeitung Hürriyet.

Ob die Kumpel an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung oder toxischen Brandgasen starben, dazu wollte der Minister keine weiteren Angaben machen. Die genauen Todesursachen würden durch Autopsien ermittelt werden. Nun würde die Mine noch einmal gründlich durchkämt, um abschließende Klarheit zu erhalten. Die Toten würden nach einem DNA-Abgleich an die Familien übergeben. Darüber hinaus würde auch weiterhin psychologische Hilfe vor Ort bleiben.

Um weitere Auseinandersetzungen mit der Polizei zu verhindern (mehr hier), hat diese am Samstag nun Kontrollpunkte auf drei Hauptstraßen in Soma errichtet. Außerdem untersagte das Gouverneursbüro von Manisa für diesen Samstag alle Demostrationen. Acht Rechtsanwälte, die in die Stadt gekommen waren, um ihre Dienste den Familien der Opfer anzubieten, wurden vorübergehend verhaftet. Während die Rechtsanwälte schnell wieder auf freien Fuß kamen, blieben 20 weitere Personen nach wie vor in Haft.

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