Unglück von Soma: Türkische Polizei nimmt fünf Verantwortliche fest

Im Zuge der Ermittlungen im Grubenunglück von Soma hat die Polizei fünf Vertreter des Betreiberunternehmens verhaftet. Eine entsprechende gerichtliche Entscheidung am späten Sonntagabend. Ihnen wird der Tod von 301 Kumpel durch Fahrlässigkeit zur Last gelegt.

Knapp eine Woche nach dem verheerenden Grubenunglück von Soma will die türkische Justiz nun offenbar schnell Ergebnisse liefern. Nach stundenlangen Verhören wurden am Sonntag gleich fünf Verantwortliche der privaten Betreibergesellschaft in Haft genommen. 15 weitere befinden sich zwischenzeitlich wieder auf freiem Fuß. Der öffentliche Druck auf die Ermittlungsbehörden ist riesig.

Bei den Festgenommenen handelt es sich um Betriebsleiter Akın Çelik, die Ingenieure Yalçın Erdoğan und Ertan Ersoy sowie die Schichtleiter Yasin Kurnaz und Hilmi Kazik. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Çelik hatte noch am Freitag gemeinsam mit Unternehmenschef Alp Gürkan eine Pressekonferenz gegeben (mehr hier). 15 weitere Personen sollen sich zwischenzeitlich wieder auf freiem Fuß befinden. Für gelte bis zum Beginn des Prozesses Bewährung. Fünf weitere sollen an diesem Montag vor Gericht erscheinen müssen.

Oberstaatsanwalt Bekir Şahiner zufolge würden den Verhafteten „die Verursachung von vielen Todesfällen durch Fahrlässigkeit“ vorgeworfen. Unter den insgesamt 25 verhafteten Personen sollen sich außerdem Can Gürkan, CEO der Gruppe und Sohn des Bestizers, befinden, so die türkische Nachrichtenagentur Doğan. Unternehmensinhaber Alp Gürkan als auch der oberste Betriebsleiter Ramazan Doğru sollen sich jedoch nicht unter den Verhafteten befinden, so der CHP-Abgeordnete Sezgin Tanrıkulu. Gegen Gürkan soll jedoch Anklage wegen Betruges erhoben werden. Die Staatsanwälte fordern eine Haftstrafe von sechs bis 18 Jahren. Ein Zusammenhang mit der Katastrophe bestehe hier aber nicht. Er soll vielmehr Mitglied in einer kriminellen Vereinigung des Geschäftsmannes Korkmaz Yiğit gewesen und in eine betrügerische Insolvenz verwickelt sein.

Wie Şahiner weiter erklärt, sei das Feuer nicht wie zunächst berichtet, durch eine Explosion in einer Stromverteilungseinheit, sondern durch die Oxidation von Kohle ausgebrochen.

Das dramatische Minenunglück von Soma wurde in der vergangenen Woche von heftigen Protesten begleitet (mehr hier). Sowohl der Regierung als auch dem Betreiber geben die Bürger Schuld an dem Zwischenfall. Nach Ende der Bergungsarbeiten am Samstag wurde der Eingang der Mine mittlerweile mit einer Mauer verschlossen. Alle Bergbauaktivitäten wurden bis zur Entscheidung der türkischen Arbeitsschutzbehörde gestoppt. Nur Inspektoren und Staatsanwälte, die den Unfall untersuchen, dürfen sich nun in die Nähe der Mine begeben.

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