Einkommensschwache tragen in der Türkei die höchste Steuerlast

Den größten Anteil der Steuereinnahmen bezieht die Türkei von Menschen mit geringen Einkommen. Besserverdienende haben einen relativ kleinen Anteil an den Einnahmen des Staates durch Steuern. Dies verstärkt die Ungerechtigkeit im Land.

Die Einkommen in der Türkei werden ungerecht verteilt. Lohnarbeiter müssen nach wie vor den Löwenanteil an Steuereinnahmen aufbringen. In den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zählt die Türkei neben Mexiko und Südafrika zu den Ländern mit der größten Ungleichheit bei Einkommenssteuern, die an den Fiskus zu entrichten sind. Bürger mit mittleren oder geringen Einkommen müssen die größte Last schultern. 2012 wollte der Finanzminister die Ärmeren entlasten, viel ist seitdem jedoch nicht passiert.

Hoher Anteil an indirekten Steuern

Laut einem Bericht des Finanzministeriums für das Jahr 2013, lagen die Steuereinnahmen in der Türkei bei 326 Milliarden Lira,  umgerechnet 113 Milliarden Euro. Indirekte Steuern auf Konsum, wie die Umsatzsteuer und Verbrauchssteuer, betrügen 68 Prozent von diesen Einnahmen. 16,3 Millionen Lohnabhängige und zehn Millionen Rentner hätten somit den größten Anteil an indirekten Steuern, berichtet Hürriyet Daily News.

Die Mehrwertsteuer in der Türkei liegt zwischen acht und 18 Prozent. 41 Prozent dieser Steuern würden durch privaten Konsum generiert. Dies seien 12 Prozent der Gesamtsteuereinnahmen, welches größtenteils von den mittleren und schwachen Einkommen bezahlt wird, so das Blatt weiter.

27 Prozent von den gesamten Steuern mache die spezielle Konsumsteuer. Diese komme beispielsweise auf Telefonate, Alkohol oder Zigaretten. Lediglich 2,5 Prozent der indirekten Steuereinnahmen stammten von Kapitalbesitzern. Während der Anteil der Kfz-Steuer geringfügig auf zwei Prozent gestiegen sei, liege sie bei der Erbschaftssteuer bei einem Prozent.

Untere Hälfte der Einkommen trägt Hauptlast bei der Einkommenssteuer

Steuern von Lohnabhängigen lägen insgesamt bei 69 Prozent der Einkommenssteuer. Die reiche Klasse habe einen Anteil von 30 Prozent an der Einkommenssteuer. Dies seien gerade einmal drei Prozent der Gesamtsteuern, bei Lohnarbeitern 18 Prozent. Banken und Unternehmen trügen mit der Körperschaftssteuer zu neun Prozent zu den Gesamtsteuereinnahmen bei.

Laut der Behörde für Einkommen (GIB), seien in der Türkei 5,5 Millionen Menschen Arbeiter mit Minimaleinkommen, sie zahlten 7,6 Milliarden Lira, also 2,6 Milliarden Euro Einkommenssteuer. Drei Millionen verdienten knapp oberhalb dieser Grenze und bezahlten 38,5 Milliarden Lira, umgerechnet 13,4 Milliarden Euro an Einkommenssteuer. Somit zahlten 8,8 Millionen Menschen mit geringen Einkommen insgesamt 46 Milliarden Lira, umgerechnet 16 Milliarden Euro, Einkommenssteuer. Zum Vergleich: Selbstständige wie Architekten, Ingenieure, Ladenbesitzer, Ärzte, Zahnärzte, Notare, Anwälte, Apotheker, Juweliere oder Restaurantbesitzer zahlten gerade einmal 1,9 Milliarden Lira, 658,4 Millionen Euro, an Einkommenssteuern im Jahr 2013.

Geringer Beitrag durch Zinsgewinne

Eingenommene Steuern durch Zinsen an Bank-Konten betrügen 4,6 Milliarden Lira, 1,6 Milliarden Euro. Diese machen sieben Prozent der Gesamtsteuereinnahmen und liegen somit gerade einmal fünf Prozentpunkte unter denen der Arbeiter mit Minimaleinnahmen. 4,7 Milliarden Lira, 1,6 Milliarden Euro würden durch Bürovermietung an den Fiskus abgetreten. Dies seien 6,8 Prozent, und somit 4,3 Prozent weniger als der Anteil der Minimalverdiener an den Gesamtsteuereinnahmen.

Die Ungerechtigkeit von Steuereinnahmen setze sich auch im Rückfluss dieser Gelder fort: Die öffentlichen Ausgaben für mittlere und untere Bildungsschichten, Gesundheit, soziale Sicherungsmaßnahmen seien viel zu gering angesetzt (mehr hier). Auch wenn dieses Ergebnis mit der quantitativen Menge der Arbeiter zusammenhängt, würden in der Türkei die Reichen steuerlich begünstigt.

Hier geht es zum vollständigen Bericht des Finanzministeriums

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