Hochwasser in Bosnien und Herzegowina: Türkei schickt erste Hilfslieferungen

In den vergangenen Tagen wurden Bosnien und Herzegowina von einer Jahrhundert-Flut heimgesucht. Obschon das öffentliche Interesse derzeit auf dem Minenunglück von Soma liegt, hat die türkische Agentur für Entwicklung und Zusammenarbeit (TİKA) mittlerweile zwei Sendungen humanitärer Hilfe in die Region geschickt.

Die schweren Fluten auf dem Balkan haben in verschiedenen Ländern mittlerweile mindestens 38 Menschenleben gefordert. Tagelang gab es schwere Regenfällen mit dramatischen Überschwemmungen. Erst am Sonntag entspannte sich die Lage etwas. Eine Entwarnung gibt es aber nicht. Der Fluss Sava schwillt weiter an.

Bereits am Samstag startete der erste türkische Hilfskonvoi mit Lebensmittelpaketen, Decken und Schuhen in das Katastrophengebiet. Die Hilfsgüter sollen nach Maglaj, ungefähr 100 Kilometer nördlich der bosnischen Hauptstadt Sarajevo. Ein zweiter TİKA-Konvoi brach von Sarajevo aus auf, um 32.000 Konservendosen, 15 Tonnen Mehl, Kraftstoff, Reinigungsmittel und Generatoren nach Zeljezno Polje in Zentralbosnien, nach Topcic Polje, in der Nähe des zentralen bosnischen Stadt Zenica und in die nörd-bosnische Stadt Doboj zu bringen. Das berichtet die türkische Zeitung Zaman.

Binnen drei Tagen hatte es in der Region so stark geregnet wie sonst in drei Monaten. Die Folge waren die schlimmsten Überschwemmungen seit 120 Jahren. Allein in Bosnien mussten rund 500.000 Menschen evakuiert werden. Einige mussten sogar per Hubschrauber aus ihren Häusern gerettet werden. Aus der Luft betrachtet gleicht gut ein Drittel von Bosnien, vor allem in der nordöstlichen Region, einem riesigen schlammigen See, mit Häusern, Straßen und Bahnlinien, die unter Wasser stehen. Admir Malagic, dem Sprecher des bosnischen Sicherheitsministeriums, zufolge, würden etwa eine Million Menschen – mehr als ein Viertel der Bevölkerung des Landes – in dem betroffenen Gebiet leben. Obendrein verursachte der Regen fast 300 Erdrutsche, die Dutzende Häuser und Autos unter sich begruben. Die Erdbewegungen erschwerten weitere Hilfsmaßnahmen zusätzlich.

Anlässlich einer Visite des bosnischen Politikers Bakir Izetbegovic in der Türkei sicherte die Regierung bereits ihre Unterstützung zu. In einer Pressekonferenz am Montag erklärte Präsident Abdullah Gül, dass das Wohlergehen von Bosnien und Herzegowina der Türkei sehr am Herzen lägen. Im Augenblick soll sich der türkische Botschafter in Sarajevo, Ahmet Yıldız, vor Ort ein Bild von der Lage in Maglaj machen.

„Bosnien steht vor einer schrecklichen Katastrophe“, so Izetbegovic. Wir sind uns noch nicht umfassend über die tatsächlichen Abmessungen der Katastrophe im Klaren.“ Man müsse sich um Hunderttausende Menschen kümmern.

Mit den schweren Überschwemmungen geht auch eine weitere, unsichtbare Gefahr einher. Seit dem Krieg Anfang der 1990er Jahre liegen noch immer unzählige Landminen in der Erde. Durch die zahlreichen Erdrutsche wurden auch Warnhinweise rund um die Minenfelder weggespült.

Neben der Hilfe aus der Türkei sind russische Teams im Einsatz. Auch Einsatzkräfte aus Luxemburg, Slowenien und Kroatien sind bereits im Katastrophengebiet. Weitere aus Großbritannien, Österreich und Mazedonien werden erwartet. Auch Deutschland bot seine Hilfe an. Die EU teilte zudem mit, ihr Zivilschutz-Mechanismus sei aktiviert worden.

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