Minenunglück von Soma: Mittlerweile acht Verantwortliche festgenommen

Die türkischen Ermittlungsbehörden im Minenunglück von Soma haben am Montag zwei weitere Verantwortliche des privaten Grubenbetreibers festgenommen. Damit steigt die Zahl der hochrangigen Unternehmensmitglieder in Haft auf acht. Nun wird sich offenbar gegenseitig die Schuld in die Schuhe geschoben.

Nachdem bereits am Wochenende fünf Verantwortliche abgeführt wurden, traf es am Montag nun Soma Coal Mining Company CEO Can Gürkan und General Manager Ramazan Doğru. Die Ermittler werfen den beiden Männern Fälschung vor. In ihren Zeugenaussagen für die Staatsanwaltschaft sollen sich die beiden nun gegenseitig beschuldigt haben.

Im Fall von Can Gürkan, Sohn von Unternehmensinhaber Alp Gürkan, war zunächst noch von einer Freilassung bis zum Prozessbeginn die Rede. Die Staatsanwaltschaft änderte ihre Position jedoch, nachdem die Aussage von Doğru bekannt war. Dieser wurde bereits in den Nachmittagsstunden des 19. Mai festgenommen. Während seines Verhörs soll Doğru Gürkan der Unterschriftenfälschung auf Dokumenten, die an die Staatsanwaltschaft gingen, beschuldigt haben. Aufgrund dessen sollen die Untersuchungen nun eine neue Richtung genommen haben. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Daraufhin hätten die Beamten beschlossen, Gürkan ein zweites Mal zu verhören. Die entsprechenden Unterlagen sollen nun untersucht werden. Gürkan beschuldige wiederum Doğru der Lüge und behaupte, dass er die alleinige Verantwortung für die Vorgänge in der Mine trage. Angeblich soll Doğru auch den Dienst eines Firmen eigenen Juristen verweigert und stattdessen seinen eigenen Anwalt zitiert haben.

Sowohl Gürkan als auch Doğru sollen im Zuge ihrer Vernehmung auch zu den in einem  Sachverständigenbericht aufgeführten Sicherheitslücken und Pannen in der Mine befragt worden sein. Dieser hatte aufgezeigt, dass die Verantwortlichen hohe Gaskonzentrationen und steigende Temperaturen im Innern der Mine Stunden vor dem Unglück ignoriert hatten. Nach Erkenntnissen der Zeitung sollen die beiden Festgenommenen dazu befragt worden sein, warum trotz der entsprechenden Warnsignale keine Maßnahmen ergriffen worden seien. Außerdem hätten die Ermittler wissen wollen, ob es ähnliche Feuer bereits in der Vergangenheit gegeben habe und welche Sicherheitsvorkehrungen darauf hin getroffen worden seien. Während ihrer Vernehmung sollen Gürkan und Doğru Fahrlässigkeit ausgeschlossen haben. Auf der anderen Seite werde in dem Bericht dargelegt, dass die Kohlenmonoxid-Menge vor dem Unglück weit über den empfohlenen Sicherheitsniveaus gelegen habe. Die Mine sei aber dennoch weiter betrieben worden.

Nach Angaben des ermittelnden Staatsanwaltes Bekir Şahiner, sei die Ursache des Brandes nicht eine Explosion in einer Stromverteilungseinheit gewesen, wie ursprünglich angenommen. Vielmehr sei es aufgrund der Verbrennung von Kohle zum Zusammenbruch gekommen. Das Feuer brach gegen 15.10 Uhr am Nachmittag des 13. Mai aus. Die Feuerwehrleute sollen allerdings erst 57 Minuten nach Ausbruch gerufen worden sein. Gar erst 63 Minuten später sei der 112-Notruf gewählt worden. Die Gasmasken der Kumpel hätten hingegen nur 45 Minuten funktioniert. Einige sollen überhaupt nicht gearbeitet haben.

Über das vergangene Wochenende verhörte die Staatsanwaltschaft auch verantwortliche Techniker und Sicherheitsbeauftragte der Mine. Einer von ihnen wurde am 19. Mai festgenommen. Darüber hinaus befinden sich Betriebsleiter Akın Çelik, die Ingenieure Yalçın Erdoğan und Ertan Ersoy sowie die Schichtleiter Yasin Kurnaz und Hilmi Kazik in Haft (mehr hier). Ihnen wird „die Verursachung von vielen Todesfällen durch Fahrlässigkeit“ vorgeworfen.

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