NASA: Russland kann ISS-Mission nicht stoppen

Der Konflikt zwischen Russland und dem Westen ob der Ukraine-Krise hat sich in jüngster Vergangenheit auch auf die gemeinsam angeflogene internationale Raumstation ISS ausgeweitet. Nachdem Russland seine Kooperation aufgekündigt hat, stellt die NASA jetzt klar: Eine der weltweit renommiertesten wissenschaftlichen Bemühungen wird auf keinen Fall Opfer von politische Uneinigkeit.

NASA-Chef Charles Bolden fand eine Woche nach der Ankündigung Russlands, nicht über 2020 hinaus kooperieren zu wollen, deutliche Worte. „Es gibt keinen Partner, der im Alleingang die Arbeit der Internationalen Raumstation einstellen kann“, so Bolden am Rande der jährlichen Flugschau in Berlin.

Die Zusammenarbeit zwischen der NASA und Roskosmos, der russischen Raumfahrtbehörde, auf der Internationalen Raumstation habe sich in den vergangenen Jahren nicht verändert. Vielmehr habe das Projekt der zunehmend frostigen Atmosphäre zwischen Washington und Moskau standgehalten. Sowohl im All als auch am Boden würden sich die Spannungen zwischen beiden Staaten nicht auswirken. Gebe es für ein Land tatsächlich einen Grund auszuscheiden, so würden die anderen sich darum bemühen, das Ganze fortzusetzen.Es gibt auf der ISS keinen einzigen Partner, ohne den man nicht auskommen kann“, zitiert ihn die Washington Post .

Erst in der vergangenen Woche verkündete der stellvertretende Ministerpräsident Russlands, Dmitri Rogosin, dass man nicht über 2020 hinaus mit den USA kooperieren werde. „Nach 2020 wollen wir unsere finanziellen Ressourcen für in die Zukunft gerichtete Weltraumprojekte nutzen“, so Dmitri Rogosin. Die amerikanischen Kollegen hätten zwar ein gewisses Interesse ausgedrückt, die Arbeit der ISS bis 2024 zu verlängern. Doch die russische Weltraumforschung sei nun auch für neue strategische Vorschläge aufgeschlossen. Man könne unabhängig von der NASA agieren. Andersherum sei das allerdings nicht der Fall (mehr hier).

Die Spannungen zwischen der NASA und den russischen Behörden nahmen bereits im vergangenen Monat ihren Lauf. Anfang April verkündete die NASA, dass man den Kontakt mit Vertretern der russischen Regierung ausgesetzt habe. Als Grund nannte die zivile US-Bundesbehörde für Luft- und Raumfahrt die anhaltenden Verletzungen der Souveränität und territorialen Integrität der Ukraine (mehr hier). Michael F. O’Brien, NASA Associate Administrator für internationale und ressortübergreifende Beziehungen,  erklärte in einem Schreiben: „Die Aussetzung beinhaltet NASA-Reisen nach Russland sowie Besuche von Vertretern der russischen Regierung in NASA-Einrichtungen, bilaterale Treffen, E-Mail und Telefon- oder Videokonferenzen.“ Allerdings seien die laufenden Aktivitäten auf der Internationalen Raumstation (ISS) von den Vorschriften ausgenommen. Gleiches gelte für „multilaterale Treffen, die außerhalb von Russland und unter russischer Beteiligung stattfinden“.

Für die USA ergab sich aus der jüngsten Erklärung der Russen ein echtes Dilemma: Ende Juli 2011 ging in den USA die Space-Shuttle-Ära zu Ende. Die russischen Sojus-Kapseln sind derzeit das einzige Transportmittel zur Versorgung der ISS. Erst im April  2013 unterzeichnete die NASA ein neues Abkommen mit Russland über sechs weitere Flüge bis 2017. Das ganze Vorhaben erfolgt zu einem Preis von 70,7 Millionen Dollar pro Sitzplatz.

Nach der Ankündigung der Russen hofft die NASA nun, dass private Unternehmen wie Space X bereits bis 2017 in der Lage sind, Raketen und Kapseln zu entwickeln, um Astronauten zur Raumstation fliegen zu können. Danach gefragt, ob es zudem eine Möglichkeit gebe, China mit ins Boot zu holen, erklärt Bolden: „Ich sehe keine Anzeichen dafür, dass sich unsere Beziehungen ändern könnten.“

Neben Russland und den Vereinigten Staaten nehmen derzeit auch Japan, Kanada, Italien, Belgien, die Niederlande, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Spanien, Deutschland, Schweden, die Schweiz, Großbritannien sowie Brasilien am ISS-Projekt teil.

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