US-Chefökonom sieht die Türkei näher an der EZB als an der Fed

Der ehemalige Assistent der Fed, Paul Bennett, empfiehlt der Türkei, sich an der Europäischen Zentralbank zu orientieren. Europäische Entscheidungen spielten für die Türkei eine wichtigere Rolle, als jene in den Vereinigten Staaten. Die türkische Wirtschaft werde von Problemen aus Europa beeinflusst, nicht aus den USA.

Die türkische Wirtschaft muss sich den Problemen aus Europa stellen. Diese hätten eine größere Wirkung, als die Stimulationen der US-amerikanischen Notenbank Fed, sagt der bekannte Ökonom Paul Bennett.

„Ich denke, die größte Fragilität stammt nicht von der Fed, sie wird eher getrieben von der möglichen Abschwächung der europäischen Wirtschaft“, so Bennett, der an der Istanbuler Universität eine Gastprofessur übernehmen wird. Für die Erklärung der türkischen Wirtschaft wählt der Chef-Ökonom an der New Yorker Börse einen ungewöhnlichen Erklärungsansatz. Wurde doch der Anleihenkauf durch die Federal Reserve als Hauptgrund für die schwächelnde Lira und ihre Investitionen angesehen (mehr hier).

Bennet sagte weiter, dass die EZB ihren Leitzins noch nicht bis zum Möglichen gesenkt hätte. Dadurch habe sie noch mehr Spielraum für weitere Handlungen. „Dies könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein für die Bank, aber es könnte auch eine Verzögerung der wirtschaftlichen Erholung verursachen. Das größte Risiko für die Türkei ist es, wenn die europäischen Produkte keinen Aufwärtstrend erleben“, zitiert ihn die Hürriyet Daily News. Solch eine Situation würde die Nachfrage nach türkischen Gütern und Dienstleistungen verringern.

Investoren und Spekulanten hätten Vermögensanteile abgestoßen. Damals gab die Fed bekannt, ihren Anleihenkauf fortzuführen. Dies habe bis zu jener Zeit die Vermögenswerte gestützt, so das Blatt weiter (mehr hier). Diese Entscheidung habe jedoch die Ordnung an der Börse in der Türkei durcheinandergebracht, berichtet die Hürriyet.

Später hätten sich die Anzeichen verdichtet, die Fed würde ihr Programm herunterkurbeln. Der Devisenmarkt sei trotzdem hart getroffen worden, obwohl der Verkauf in den letzten Wochen nachgelassen habe. Die Lira sei eines der am härtesten getroffenen Währungen gewesen (mehr hier). Daraufhin habe die Türkische Zentralbank den Leitzins erhöht, um einen Währungszusammenbruch zu verhindern.

Nachdem sich die Lira in den letzten Wochen erholt hatte, sei die Zentralbank von der türkischen Regierung unter Druck gesetzt worden. Sie habe die Zinsen senken sollen, um das Wachstum künstlich am Leben zu erhalten.

Nach Bannett wird der Kurswechsel der Türkischen Zentralbank ebenso mehr durch die EZB geleitet, als durch die Fed. Die Zentralbank habe eine anspruchsvolle Aufgabe und müsse ihren Zinssatz bedacht festlegen.

Bennett erscheine es logisch, dass die Türkische Zentralbank den Zinssatz in den kommenden Monaten wieder senkt. Hohe Zinssätze seien bei spekulativen Auswirkungen auf die Lira erfolgreich. Die Entscheidungen lobend sagte er: „Die Auswirkung der Wechselkurse auf die Inflation wurde ja ebenfalls begrenzt.“

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