Hommage an Pharrell Williams: Iranische Fans landen für „Happy“-Video im Gefängnis

Der Megahit „Happy“ des US-Musikers Pharrell Williams geht derzeit um die Welt. Sechs jungen Iranern wurde die globale Euphorie nun zum Verhängnis. Als sie ein selbstgedrehtes Video zum Song ins Internet stellten, schritt die hiesige Moralpolizei schritt ein. Sie landeten im Gefängnis.

Singen, tanzen und Spaß haben auf den Straßen und Dächern von Teheran – drei Männer und drei unverschleierte Frauen bezahlen diese harmlose Aktion bereits seit Montag mit Gefängnis. Dem kreativen Sextett wird von den iranischen Behörden vorgeworfen, mit ihrem Video gegen „die öffentliche Sittsamkeit“ verstoßen zu haben. Für die seit 1979 aktive Moralpolizei des Landes handelt es sich nicht um ein harmloses Remake eines Welthits, sondern um einen „vulgären Clip im Cyberspace“.

Am Dienstag wurden die Sechs nun im iranischen staatlichen Fernsehen vorgeführt, wo sie ihre „Tat“ angeblich gestanden haben sollen. Gezeigt werden die jungen Leute allerdings nur von hinten. In einem YouTube-Clip mit Untertiteln werden die Festgenommenen als „Schauspieler“ bezeichnet. Diese behaupten nun, sie seien ausgetrickst worden. Das Video sei für ein Vorsprechen entstanden.

Sie sagten mir, sie machen einen Spielfilm und dass sie eine Genehmigung dafür hätten“, zitiert die BBC einen der Männer im Video. Er sei zum Narren gehalten worden. Ein Frau ergänzt: „Sie hatten uns versprochen, das Video nicht zu veröffentlichen.“

Unbestätigten Berichten zufolge sollen im Zusammenhang mit dem Video insgesamt 13 Personen festgenommen worden sein. Eine offizielle Bestätigung exakter Zahlen fehle der BBC zufolge bisher.

Auch Pharrell Williams, dessen Song bereits Tausende Nachahmer weltweit inspirierte, hat gegen die Inhaftierung der jungen Iraner protestiert. Auf seiner Facebook-Seite lässt er seine Fans wissen: „Es ist unglaublich traurig, dass diese Kinder für den Versuch, das Glück zu verbreiten, verhaftet wurden. Auch die iranische Journalistin Golnaz Esfandiari kritisiert die Verhaftung der Truppe:

Auf Twitter ist der Hashtag  #freehappyiranians mittlerweile weit verbreitet. Auf diese Weise hoffen die User, Druck auf die iranische Regierung ausüben und die Freilassung der Videomacher erwirken zu können.

Nach der iranischen Auslegung des islamischen Rechts müssen iranische Frauen ihr Haupt bedecken und weite Kleidung tragen. Die eingesetzte Moralpolizei wacht mit Argusaugen über die Einhaltung der Regeln. Auch das Internet wird von den iranischen Behörden streng kontrolliert.

Das ursprüngliche Video „Happy we are from Tehran wurde bereits im März online gestellt und bisher mehr als 40.000 mal angesehen. Mittlerweile ist sein Status allerdings auf „privat gestellt.

Erst am Wochenende wiederholte Präsident Hassan Rouhani seine Unterstützung für weniger Internet-Einschränkungen. Seiner Ansicht nach sollten auch Iraner das Internet für sich einnehmen können. Das Netz sollte als Chance betrachtet werden. Das Recht der Bürger, das Internet zu entdecken müsse anerkannt werden. Die jüngsten Festnahmen zeigen nun aber einmal mehr, wie angespannt die Lage zwischen den Hardlinern in der iranischen Regierung, die näher an Ayatollah Seyed Ali Khamenei sind, und den liberaleren Mitgliedern des RouhaniKabinetts tatsächlich ist.

Bis auf den Initiator sollen sich alle seit dem späten Mittwoch wieder auf freiem Fuß befinden.

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